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Mein Leben zeichnet sich streng genommen in zwei Hälften: die Zeit vor dem 25.Mai 1996 und die Zeit danach. Jenes Datum war mein 19. Geburtstag, und ich war zum zweiten Mal auf dem DYNAMO gelandet. Nachdem 95 eine Machtdemonstration der "90er Sounds" gewesen ist, war 96 quasi für mich gemacht: SLAYER, SACRED REICH, SAVATAGE, GOREFEST... und: VENOM. Die Legenden um diesen Gig sind zahlreich und werden an dieser Stelle sicher nicht alle aufgewärmt. Was ich aber in diesem Kontext nie unerwähnt lassen kann: die Limousinen- Story. Das Trio Infernale hatte sich drei Rockstar- Limos für den denkwürdigen Reunion- Gig kommen lassen. In einer saß der Überlieferung nach CRONOS, in der anderen ABADDON und MANTAS, in der dritten lag eine Geldbörse. Diesen nihilistischen Humor bekommt man immer zu spüren, wenn man sich dem morphischen Feld von VENOM nähert. So erinnere ich mich an den Wacken- Gig 2000, als eine Crew stundenlang an einem komplexeren Bühnenaufbau für die großen Headliner VENOM gearbeitet hat. Das gerüstartige Gebilde von CRONOS gefühlte 10 Sekunden am Ende der Show genutzt, um einmal "Oh yeah" oder "Fucking hell yeah" zu sagen. Als im Schwäbischen sozialisierter Mensch sind einem solche ineffizienten Arbeitsaufwände fremd. Hier gilt ja uneingeschränkt : "nie leer laufen". Alles muss immer effizient und sinnhaft sein. Bei CRONOS und VENOM herrschte Chaos. Ja, verdammt. Sie warn die coolste Band überhaupt, wenn sie in der unheiligen Triade vereinigt waren: der Rabid Captor of bestial Malevolance (CRONOS), der barbaric Guardian to the 7 Gates of Hell (ABADDON) und der Grandmaster of Hades and Mayhem (MANTAS). Und dieses barbarische Chaos hatte auf der Bühne ein Gesicht: CRONOS. Die Manifestation des Chaos und der unbändigen Energie. Die oft in diesem Kontext zitierten MOTÖRHEAD taugen als Vergleich nur bedingt, da LEMMY auf der Bühne statisch und stoisch agierte, CRONOS getrieben wie ein Berserker alle Höllenfürste beschwor und sie in seinem Körper lebendig werden lies. TAKING OUR CHANCES WITH RAW ENERGY. Wenn man sich das Meer der Legions quer durch alle Musikerschichten anschaut, hat CRONOS mit seiner Idee von RAW ENERGY jedes Chambre im wilderen Metal beeinflusst. Selbst JON OLIVIA, der mit SAVATAGE nicht gerade für chaotischen Punk-Spirit steht, erzählte mir in einem Interview, wie sehr er VENOM verehre. Für mich hat kein Spirit BLACK METAL mehr realistischer erfasst, als die unheilige Dreifaltigkeit. Mit ihren ersten beiden Alben ist alles gesagt und die folgenden Entwicklungen sind lediglich eine Verbeugung vor den Göttern. Satanismus und Okkultismus in dieser naiv-kindischen Form zu zelebrieren und damit so viel mehr Wirkung zu erzielen, als manch "böses" Kunstwerk, das ist die Kernkompetenz. Im alten Testament ("Welcome to Hell") . Und auch im neuen Testament ("Black Metal"). Satan als Symbol für Lebendigkeit, Energie und Lebensfreude. Das ist das, was VENOM für mich zu einer der wichtigsten METAL- Bands gemacht hat. Gemessen an METALLICA, SLAYER und anderen "Schülern" blieben sie kommerziell wahrscheinlich überschaubar erfolgreich. Mit den Archetypen des Genres wie IRON MAIDEN oder JUDAS PRIEST werden sie meist gar nicht genannt, da ihre Magic eine komplett andere ist: "nie leer laufen", das sagt STEVE HARRIS vielleicht. CRONOS sagte: "fucking hell yeah". Und er hatte es in jeder Konsequenz genau so gemeint. Danke CRONOS.