Abgesehen vom historischen musikalischen Ereignis, schreiben bei mir persönlich auch die Rahmenbedingungen des Konzertes Geschichte. No Support-Band kennt man mittlerweile von MANOWAR. Konzerte, die vor 19 Uhr beginnen (18:53 ist die Band auf der Bühne) sind eher selten. Bei einem 90 Minuten Set verlässt der Konzertbesucher die Location bei Tageslicht und der Abend scheint weiterhin gestaltbar. Ich muss sagen, ein irgendwie interessanter Ansatz. Rahmenbedingungen sollen hier jedoch keineswegs der Fokus sein, Memmingen war heute ein kleines Stück Heavy Metal- Geschichte. 30 Jahre wird einer der "ubekanntesten Metal-Klassiker" dieses Jahr und die Auseinandersetzung mit dem Album dieser Tage hat nochmal verdeutlicht, welches Meisterwerk damals von JON SCHAFFER und MATT BARLOW (v.) und FREDDIE VIDALES (g./b.) auf die Menschheit losgelassen wurde. Ein Album, das mit den ganz großen Klassikern des Genres Schritt hält. Die beiden ehemaligen ICED EARTH- Members VIDALES und BARLOW performen es am Stück mit ihrer aktuellen gemeinsamen Band ASHES OF ARES. Als Schwabe startet man bekanntlich immer mit dem Bruddeln. Und zum Bruddeln gehört neben dem süffisanten Beschreiben der Rahmenbedingungen (siehe oben) das Erwähnen des nur "ordentlich gefüllten" Kaminwerkes. Lassen wir das Bruddeln aber einfach mal Bruddeln sein und danken dem Veranstalter, eine quasi No Name- Band mit diesem potenten Programm ohne die Verwendung des ICED EARTH- Logo etc zu veranstalten und uns Maniacs diesen Abend zu ermöglichen. Danke Kaminwerk Memmingen! Der Spirit in der Crowd ist jedenfalls so, wie er sein muss: Hardliner aus dem süddeutschen Raum und dem europäischen Ausland sind angereist, weil ihnen MATT BARLOW, ICED EARTH und die DARK SAGA soviel gegeben hat und immer noch gibt. ASHES OF ARES eröffnen mit zwei eigenen Songs, die auch unterstreichen, dass es auch das Profil ASHES OF ARES- Follower im Publikum gibt. Eine schöne Erfahrung für die Band, das auch ihr eigenes Material die gebührende Wertschätzung erfährt.
Ich bin ehrlich: ich bin heute nur auf das DARK SAGA- Album fokussiert, werde aber meine Auseinandersetzung mit ASHES OF ARES sicher noch nachholen. Mit dem Opener ist klar, was heute gespielt wird: wir haben es mit Songs zu tun, die wirklich alle Komponenten im klassischen Heavy Metal abbilden und das ausnahmslos auf höchstem Niveau. Ich kenne kaum ein Album, das die Vorgaben des HEAVY METAL so klar nutzt und zwischen Riffbanger, Hymnenpart, Thrash- Attacke und emotionaler Ballade das Seelenleben HEAVY METAL abbildet. BARLOW ist ein Magier, der mit seiner Stimme die Songs in einer Präsenz gestaltet, wie es nur die Alphas der Zunft können. Natürlich wirken Vergleiche mit DIO, DICKINSON, ADAMS oder HALFORD immer etwas Fanboylike, aber die Art wie er Körper und Seele in die Songs hineingibt, machen ihn für mich zu einem Textgestalter mit hoher musikalischer Kompetenz. Dazu ist er vom Stage-Acting auf einem Level, das einen Vollprofi vermuten lassen würde, der aber nicht in irgendwelchen "normalen" Berufen arbeitete oder arbeitet. Ansprache, Animation und Acting sind auf den Punkt platziert. Es entsteht kein peinliches Dude- Gedödel, kein Rockstar- Narzissmus, keine schlechte Anbiederung. Es ist ein herzlicher, professioneller und offener Umgang mit Publikum und Abend, den man so eben auch nur aus der METAL CHAMPIONS LEAGUE kennt. Wenn Können, Optik und Präsenz in der Form stattfinden, kann man von einem Ausnahmekünstler reden. Ein Ausnahmekünstler, der jeden Ton mit all seiner Power und Intensität gestaltet. Das Album hat keine schwache Sekunde und funktioniert live wie aus einem Guss. Keine Längen, keine Langweiler. Alles songdienlich, dynamisch und dazu intelligent ausgearbeitet. Ich bin froh, dieses Album 30 Jahre lieben zu dürfen. Ein "Slave to the Dark" zu sein. Und wirklich herausragend, dass dieser historische Abend vor meiner Haustüre stattfand.