AMON AMARTH, ORBICULTURE , SOILWORK, 16.10. Stuttgart, Schleyerhalle
Die vielleicht letzte große METAL- Band aus der traditionellen Schiene (meiner Definition nach: alles, was sich ausschließlich mit 80er Stilistik beschäftigt) lässt den Allvater für uns erwachen.
Bei SOILWORK habe ich einen Moment den Eindruck, dass ich das zu unrecht völlig aus den Augen verloren habe- diesen, nenn wir ihn einfach "linkinparkisierten" Melo-Metal mit Roots im Göteborg- Stil. Alles klingt fett, druckvoll und extrem tanzbar. Und die catchy Melodien öffnen Geist und Herz. Wie so manchmal kommt allerdings heute bei der Rückreise in der komplett pünktlichen Bahn, die Ernüchterung: beim ersten Durchlauf von "Figure No 5" nach zwanzig Jahren bin ich eher schnell gelangweilt. Songwritting, Produktion und die ganze Wirkung ist mir dann doch einen Tick zu "nu metal". Und ich kämpfe ja stetig gegen meine Borniertheit an, verordne mir Crossover-Therapien und sonstiges. Das wahre Feuer brennt halt doch voll und ganz für "echten" METAL. Ob der von NECROPHOBIC oder IRON MAIDEN stammt, ist dabei sekundär. Aber: ich war kurz erreicht, aktiviert, bekam Bock aufs Konzert und hörte mir sogar ein Album von SOILWORK mal wIeder an.
So komm ich auch bei den von meinen Konzert-Buddies gefeierten ORBIT CULTURE über "nice" nicht raus. Obwohl die Combo gerade steil zu gehen scheint, kannte ich sie bis heute null. Technisch betrachtet liefert auch hier der Gig alles, was ein "hart" hörender Mensch so braucht. Das hat Groove, technischen Anspruch und ist sicherlich sehr gut durchüberlegt. Da ich immer noch sehr mit dem Nachlass von CRONOS beschäftigt bin, meine geliebten VENOM- Scheiben rauf und runter höre, ist mein Zugang zu dieser Art Sound momentan auch etwas beschränkt. ;). Aber: auch hier sehr guter Job gemacht, top Resonanz. Das ist letztlich der Gradmesser und nicht mein CRONOS- "Trauma".
AMON AMARTH sind sicher für viele der Inbegriff für Spaß- und Normalo- Metal, der mit den wahren Werten der Szene so gar nix zu tun hat. Sicherlich ein möglicher Blick darauf, wenn auch ein unnötiger. AMON AMARTHs Authentizität wird wohl keiner infrage stellen, der den Werdegang der Band seit den Anfangstagen verfolgt. Dass es meist die Einfachheit ist, die Ideen erfolgreich macht, wird dabei gerne vergessen. AMON AMARTH haben mit ihrem Image einen klaren Plan, sie schreiben sehr effektive Songs, da sie einfach schauen, wie es die wirklich Großen der Zunft machen. Wenn man coole, erfolgreiche Metal-Hymnen schreiben will, studiert man vielleicht eher MANOWAR und JUDAS PRIEST. Das Verständnis solcher Größen haben AMON AMARTH in ihre DNA eingespeist und haben für mich mit "Twilight of Thundergod" ja einen im Programm, der sie selbst zu Göttern macht. Das hat für mich die gleiche Qualität und Professionalität, wie sie MANOWAR auf ihren nun bald zu betourenden Classic Alben haben. Was für ein Song. Ich kann immer durchdrehen, wenn ich den höre. Das "Black Wind Fire and Steele" der "Neuzeit".
Ich komm auch nicht auf jeden Ruder und Handy-Lichtlein- Film klar, den die Band zur Erweiterung ihres Publikums natürlich fahren muss. Und das ist vielleicht auch genau die Art von Show, die Herr HETFIELD in seinem viel diskutierten Statement gemeint hat: macht Unterhaltung, lasst die abgefuckte "real world" draußen. Und das machen AMON AMARTH perfekt, in dem sie eine Unterhaltungswelt für METAL- Heads geschaffen haben. Starke und mutige Kriegerinnen und Krieger kommen hier gleichermaßen zum Zug wie Runen- Druiden und Nebelhexen. "Raise your Horns", die Bündelung und Fixierung der Wikingerkraft.
Natürlich find ich die Videoeinspielung von SAXON- Biff auch eher schräg und gewinne dem puren Melodic Death Metal der Band mehr ab, als solchen feat. Biff von SAXON- Nummern. Aber auch hier ist der Strategie-Zug sicher voll aufgegangen: Wackinger mit Doro und Biff- Liebe kommen auch, Achtung!, mit ins Boot ;). Das ist strategische Planung, da sind HEGG und Co. auch wie ihre großen Vorbilder aus dem Classic Metal. Da muss ich mich auch lockerer machen. Und sind wir ehrlich: es ist doch geil, dass so ne coole Combo wie AMON AMARTH die Schleyerhalle füllt. Schön, dass unser geliebter METAL so viele Herzen erfreut.