HELLOWEEN

Veröffentlicht am 24. November 2025 um 20:51

 

22..11.25 Schleyer-Halle, Stuttgart

 

Das Konzept HELLOWEEN ist im Jahre 2025 "united": aus sämtlichen Schaffensphasen in der 40 jährigen Karriere der Hamburger Institution stehen heute die Protagonisten vereinigt auf der Bühne und laden zum Kürbis-Familien-Treffen in Stuttgart. Man agiert in bester IRON MAIDEN- Tradition mit drei Gitarristen und hat mit Kiske, Hansen und Deris auch drei Sänger am Start. 

 

Die Show ist bombastisch, setzt auf eine Vielzahl digitaler Gimmicks und erfüllt den Anspruch zeitgemäßer Konzertunterhaltung. Michael Kiske merkt dazu in einem kritischen Statement die Übernahme von Kreativität und Emotionalität durch die KI an.  Zustimmende Reaktionen durchweg in der Schleyerhalle. 

Kiske, der sich vor Jahren durch seine anthroposophischen und christlichen Ansichten zur misanthropischen und destruktiven Energie in der Metal-Szene  nicht nur Freunde machte, zeigt direkt im Anschluss daran, warum Gott ihm den Gesang geschenkt hat:

bei "Twilight of the Gods" vom legendären ersten Keepers- Album, stehst du mit der vielzitierten Gänsehaut da und weißt, warum er oft in einer Reihe mit DICKINSON und TATE gestellt wird. Ein Song, der durch diese Ausnahmestimme tief berührt.

 

Wie perfektionistisch und musikalisch ambitioniert insbesondere das "Keepers, I"- Album ist, wird auch beim quasi Signature-Song "Halloween" deutlich. Der auf der Bühne asketisch wirkende Hanseat Michael Weikath, Gründer und kreatives Genie von HELLOWEEN, lässt hier Erinnerungen an Großmeister MALMSTEEN aufkommen. Neo-Classic als tragendes Stilmittel. Auf dem 87er Album.

 

Und das zwei Jahre nach dem Release meines Herzensalbums "Walls of Jericho" (85), das eher die Speed- und Thrash- Jüngerschaft abgeholt haben dürfte. Hier gingen HELLOWEEN ja bekanntlich mit einer Energie zu Werke, die eindeutig von den Debuts aus der damals noch jungen Thrash-Szene beeinflusst war.

 

So habe ich persönlich meinen "Moment of Truth" natürlich bei "Ride the sky". Man sollte biografische Reflexionen in Konzertberichten nicht übertreiben, aber ich weiß nicht, ob ich ohne diese aggressive Hymne jeweils so konsequent ins Metal-Rabbit-Hole gesprungen wäre.

 

GIVE ME WINGS TO FLY- RIDE THE SKY!!!!

 

So ist meine persönliche HELLOWEEN- Liebe eigentlich mit diesem einen Song schon fast perfekt, das obligatorische "Heavy Metal is the law" (auch vom Debut) kommt nach all den Akkustik-, Family- Metal-Musical- und Findungsphasen- Songs fast bissi "gringe". 

 

Und diese Klassifizierung ist lediglich die eines "autistischen True Metal-Heads", der die Entwicklung seiner Jugendhelden zum Eventim-Megaseller bezogen auf die Alben nicht durchlaufen hat. Aber auch die "Findungsphasen"- Songs a la "We Burn" entfalten einen Reiz, wenn sie auch in ihrer Machart etwas einfältig wirken. HELLOWEEN schaffen es, dass der Funke trotzdem überspringt. 

 

Man spürt die Leidenschaft und v.a die Kreativität, die in dieser Band steckt. Im Zugabe-Teil wird das mit "Eagle fly free" (89), "Power" (95) und dem Überhit "Dr Stein" (89) deutlich: langweilig und vorhersehbar sind andere. Songs voller Esprit und ansteckender Laune.

 

So ist auch der Querschnitt im Publikum sehr interessant: "I want out"- Fast Sechziger, vom Leben gezeichnet und nie wirklich "out" gegangen, Business- Ladies, die wahrscheinlich Kiske in besseren optischen Zeiten an der Wand hängen hatten, Metal-Puristen (einer sogar mit streng zusammengebundenem Zopf und ARCHGOAT-Lederweste) und "Rock-Families".  

Mehr Querschnitt hast selten.