28.12.25 Club Vaudeville Lindau
Jahresausklang im Club Vaudeville mit der hessischen Thrash-Legende und zwei wirklich unterhaltsamen Gästen.
Die Quasi-Locals MOROS aus Vorarlberg heizen mit ihrem räudigen Thrash den Laden kräftig an, kultivieren das Alkoholimage des Headliners ebenso und wirken so ungestüm wie eine von Party und Alk motivierte Spaß-Band, die ein Heimspiel im lokalen Kulturzentrum spielen darf. In der Raucherpause erfahre ich, dass sie der Haufen erst kürzlich wieder zusammengeschmissen hat, was man der Show wirklich keine Sekunde anmerkt. Eine vom Punk/basic Thrash- getriebene Performance, die ich mal als wirklich sehr cooles Livehighlight verbuche.
BATTLECREEK aus Bayern wirken da im neutralen Sinn schon geschliffener und dadurch ambitionierter.
Leider bin ich (noch) mit keinem Tonträger vertraut, so dass das variable Songmaterial auf alle Fälle mein Interesse weckt. EXODUS drängt sich öfter als Vergleich auf, die Performance ist routiniert. Die Jungs atmen und leben Thrash, das hört und sieht man ihrer Performance zu jeder Sekunde an. Ambitionierte Geschichte, die sicherlich ihr Publikum erreicht.
TANKARD: zugegeben: ich bin ein relativ langweiliger Typus, zumindest, wenn es um den deutschen Thrash geht: KREATOR liegen mit weitem Abstand vorn, dann kommen SODOM irgendwann, und vor TANKARD, würde ich auch jederzeit noch DESTRUCTION nennen.
Dabei sind sie auf der Sympathieskala eine unerreichte Nummer. Gerre war einer meiner ersten Interviewpartner in den 90ern; zu einem nicht unbedingt komplett typischen Album ("The Tankard").
War ein für mich damals extrem cooles Phoner, wo die Frankfurter Legende auch sein Hadern mit dem "Alkoholiker-Image" thematisiert hat. Geholfen hat es nach der längeren Durststrecke (sorry ;)) in den 90ern wenig, TANKARD kultivieren heute ihr quasi Funimage passgenau für Metal- Kreuzfahrtschiffe und die Wacken- Community. Zumindest Merch und Marketing lassen diesen Eindruck zu. Da die Band immer den Weg der Semi-Profis ging, ist dieser Schritt komplett nachvollziehbar und sollte von der Metal-Judikative nicht allzu hart gejudged werden, da TANKARD den Leuten primär das geben, was sie wollen. Eine gute Zeit.
TANKARDs Kraft liegt für mich in ihrer unnachahmlichen authentischen Art, die es nie nötig hat, billige und plakative Metal-Klischees abzufrühstücken. Kein "harter Mann"-Getue, keine Evilness...
Dass hinter dem Chaoten-Trupp soziale ,politisch- denkende und fühlende Persönlichkeiten stecken, ist schon immer an vielen ihrer Texte deutlich geworden und auch die Attitude on stage spricht Bände. TANKARD sind die vielzitierten Kumpeltypen, die man einfach nur mögen kann.
Als ich mit Gerre während des besagten Phoners über den Ausgang der Meisterschaft 92 redete, war ihm die Enttäuschung über das unglückliche 1:2 seiner Eintracht am letzten Spieltag in Rostock deutlich anzumerken. Dass er es mir als VfB-Anhänger (Deutscher Meister und damals Profiteur des Frankfurter "Patzers") trotzdem gönnte, war ein ebenso nicht zu leugnender Fakt.
Sound der Frankfurter? Gut, ich bin mit keinem aktuelleren TANKARD-Album wirklich vertraut, stelle nur fest, dass die fanatische Liebe der Band für old school Heavy Metal und Power Metal doch auch in dem ein oder anderen "neueren" Song niederschlägt.
Der typische Hardcorebeeinflusste Sound der früheren Alben ist teilweise einer groovigeren und Metallastigeren Herangehensweise gewichen, was aber erstmal nur ein Eindruck ist.
Das Gefühl einer Veranstaltung von "Typen wie uns" beizuwohnen, dominiert für mich den Abend. Die Aufrufe zu Toleranz und Solidarität wirken aus dem Herzen heraus und man fühlt sich an eine Zeit erinnert, als Donald J und seine "Chemical Invasion" noch nicht auf das kollektive Bewusstseinsfeld eingewirkt haben, KI vielleicht als Abkürzung für "Komme in.." verstanden wurde und die Jugend auf Leute wie TANKARD stand, die keinen der heute kultivierten "Insta-Werte" verkörperte. " Frank Thorwart statt Bitcoin, Lifeoptimierung und all dem anderen Bullshitbingo"; der Gedanke drängt sich förmlich auf.
Für mich als Sozialromantiker sind es genau diese Happenings, die die "normale Welt" zusammenhalten und aufrichtige Herzen zusammenbringen. Und ehrlich: das ist das höchste der Gefühle...