Bevor OBITUARY zu der netten Death Metal- Groove-Nummer Deiner Wahl geworden sind, waren sie ein verdammter Bastard. Ein verdammter Hurensohn-Bastard aus CELTIC FROST, GRIND, SLAYER, VENOM und allem was irgendwie in dieser Liga mithalten kann. Der Film wirkte wie die genannten Zutaten in einer abgefuckten Druffi-WG abgekocht und brühwarm eingecheckt. Hier ist nix geschönt, nix spirituell, nix integrativ. OBITUARY sind das finale Fuck You an eine Gesellschaft, die sich in Doppelmoral, Konsumerfolg oder Versagen, kultureller Dekadenz und moralischer Verkommenheit zum Verrecken entschieden hat. OBITUARY empowern keinen Gegenentwurf dazu. Man könnte sagen: DEICIDE bieten den Hass auf das schwache, verlogene Christentum an. Sprich: Satan ist die billige und konsequente Lösung. CANNIBAL CORPSE machen dich zum Zombie ihrer, richtig, Zombiewelt und MORBID ANGEL bieten die spirituelle Flucht aus der Matrix an. Ihr wilder philosophischer Mix aus Lovecraft, La Vey, Crowley und Poe ist eine intellektuelle Konstruktion, die eine Meta-Ebene zur Verfügung stellt. OBITUARY machen hier den Namen zum Programm: sie vertonen einfach nur das Dahinsiechen in einer verachtenswerten materialistischen Gesellschaft. Diese wird als naturgegeben gesetzt und braucht keinen Gegenentwurf. Wo DEICIDE sich symbolisch suizidieren, um Satan als Sieger über das Evangelikale zu setzen, CANNIBAL CORPSE in Zombiefilmen den ultimativen Ausdruck von Nihilismus erkennen und MORBID ANGEL, Meditation und Astralreisen als Möglichkeit anbieten, sind OBITUARY die Junkies. Sie hängen an dem konsequenten, nicht spektakulären Niedergang des Seins. Nicht mit intellektueller Distanz. Mit hoffnungsloser Befangenheit. Und das macht dieses Album zu einem extremen Motherfucker im Extrem-Metal. Ganz deepe Verneigung.