365 DAYS IN METAL #50 KREATOR- Cause for Conflict

Veröffentlicht am 13. Juli 2026 um 20:31

Ein zentrales Thema dieses Blogs ist die Aussöhnung mit Alben, die zum Zeitpunkt ihres Erscheinens keine Jubelstürme ausgelöst haben, irgendetwas im Unterbewusstsein aber immer wusste, dass da ne ganze Menge Potential vergraben ist. Im Sommer 95 habe ich gerade mein erstes kopiertes Fanzine WITCHES DANCE gegründet, bzw arbeite verbissen an der ersten Ausgabe. Verrückt wie ich sein kann, habe ich besonders mit GUN/DRAKKAR - Promotion eine super Geschäftsbeziehung aufgebaut und interviewe für meine erste Ausgabe RAGE und GRAVE DIGGER, die ich zu der Zeit glaub dann auch beide zusammen mit GAMMA RAY und ICED EARTH in Tübingen in der "Stefan-Hartmann-Halle" sehen darf. Mit der "Imaginations" von BLIND GUARDIAN war ein Überalbum aus Germany raus und ich war patriotischer wie nie zuvor und nie mehr später in meinem Leben. Leider war der German Melodic Speed im 95er Kollektiv unterrepräsentiert, die Gleichsetzung mit BONFIRE oder MANOWAR oder auch Zeltcover Rock- Bands war dem "links-grün-versifften" Alternative-Mainstream sicher. Zu der Zeit glaubte ich an das wahre SUMMER Märchen. Und während MTV und VANESSA PANTERA, BIOHAZARD und WHITE ZOMBIE todnudelten, zeigte VIVA METALLA und setzte auf eben Combos aus dem GUN/DRAKKAR- Lager. Auch MILLE und KREATOR waren in diesem Stall geparkt, hatten musikalisch mit meinen "Sommermärchen-Helden" wenig bis nix gemein. Damals galt meine THRASH- Aufmerksamkeit noch den eher strukturierteren Geschichten a la TESTAMENT, ANNIHILATOR, METALLICA und MEGADETH. Und SLAYER und OVERKILL fand ich ganz großartig. Von dem her lief mir von KREATOR v.a. "Coma of Souls" und "Extreme Aggression" rein. Und witzigerweise "Renewal", was eigentlich außerhalb all meiner Dogmen angesiedelt war.  Aber der Titelsong nahm Sinnsuche- und Psy- Phase wohl schon etwas vorweg. "Cause for Conflict" ist der nicht sonderlich beliebte Nachfolger von "Renewal". Und das- Überraschung- völlig zu unrecht!!! Produktionstechnisch nimmt man die Idee von CHAOS A.D auf und setzt auch sonst hart auf Industrial und Hardcore. Ein Album, das die dystopische Realität der Mitt-Neunziger abbildet. Ich frage mich, wie ein derartiges Album bei der heutigen Weltlage klingen müsste. MILLE artikuliert sich gewohnt gesellschafts-, religions- und wirtschaftskritisch und liefert einen echt geilen Soundtrack zu Vorapokalyptischen Zeit ab. Der Sommer 95 war magisch, weil er mein einzig patriotischer war. MILLE hatte damit nur am Rande zu tun. Sein Album werde ich den Sommer 31 (!!!!) Jahre später gerne immer wieder auflegen!