SPEED FEST, SOULFLY, DEATH ANGEL, SACRED REICH, NERVOSA, 24.07.26 Hohenems

Veröffentlicht am 25. Juli 2026 um 03:42

Wie aus dem Nichts aufgetaucht, das SPEED FEST in Hohenems. In einem Tennis Event-Center und mit einem hochgradigen Programm. DEATH ANGEL konnten schon vor ein paar Jahren zusammen mit SACRED REICH für eines der geilsten Packages in der THRASH- Club-Gig-Szene sorgen. Dazu kommen mit NERVOSA und SOULFLY zweimal Brasilien an Bord. Alles andere als schlechte Vorzeichen für den nicht alltäglichen Abend im österreichischen Nachbarland. 

All-Woman Band NERVOSA hat heute keinen allzu optimalen Sound erwischt, im Brei geht vieles verloren und das Schlagzeug wirkt phasenweise auch nicht wirklich integriert. Wir witzeln schon: VENOM, SODOM 84, "Pleasure to kill"- Style. Hat alles  seinen Charme, holt aber niemanden wirklich ab, auch wenn die Damen am Ende des Sets deutlich mehr Gitarrensound hinbekommen und die Songs dadurch auch eine bessere Struktur bekommen. Mehr als die vielzitierte Visitenkarte war das nicht, wenn ich hier jetzt aber schon den Hauptknackpunkt am Sound suche. Zur Beurteilung der musikalischen Darbietung kenne ich die Songs viel zu wenig, bzw gar nicht. So bleibt ein Rumpel-Auftakt mit keinem allzu großen Werbeeffekt bei mir. 

SACRED REICH erreichen von Sekunde eins dagegen volle Betriebstemperatur. Die Matrix der Band lebt von dem Buddie- Prinzip, das keinerlei Rockstar Allüren kennt.  Selbst definierten Meisterschaft in Groove Thrash und einer ausgeprägten SLAYER- Liebe bei den alten Songs. PHIL RIND hat über Gesellschaft und Politik einiges zu sagen, lässt heute aber die Musik "talken", baut nur eine kurze "so lernte ich Gloria Cavalera kennen"- Anekdote ein. Der Sound ist klar und wuchtig und die Band strahlt eine unglaubliche Präsenz aus, die den Groove Thrasher unterstreicht und auch den SLAYER- Klopfer in der Lage ist zu halten. SACRED REICH sind ein klassischer Euro League- Teilnehmer, liefern aber regelmäßig Champions League- Energie. Auch wenn eine Setlist sicher keine Classic Dichte der CL- Acts hat, verfügen SR mit "Whos to blame", "American Way" und "Surf Nicaragua" schon über Hits auf CL Niveau. Mit "War Pigs" fokussiert man den Charakter der Show und freut sich sichtlich über das euphorische Publikum. Klar, SACRED REICH sind die klassisch zu spät gekommenen. Als ihr Debut erschien, waren die Bauplätze im THRASH längst verkauft und die Götter des Chambres besetzt. Umso cooler, dass sie über ein Killer Club- Show/Festival-Slot- Programm verfügen, das in der Kürze und Kompaktheit Champions League andeutet. Klassischer Euroleague Dauersieger. SACRED SEVILLA. Als ich erwähne, dass ich nicht zum SACRED REICH- Shirt griff, weil mir der Tagessieg für PHIL RIND und Co. fast zu zwangsläufig erschien,  nennt mein METAL- Kollege JMM  den "Spanien- Trikot-Effekt", was sich gut ins Sevilla- Bild einfügt. 

 

 

 

Ebenfalls Euro-League, aber ohne Titel-Abo: DEATH ANGEL. Spielfreude, technisches Können und professionelles Acting lassen für Liebhaber gut gemachter Live- Musik keine Wünsche offen. DEATH ANGEL sind extrem variabel und verfügen über eine beeindruckende Bandbreite an ziemlich unterschiedlichen Songs in punkto Tempo und Grundkonzept. Dazu sind mit auch wirklich hart abgehende THRASHER im Programm, die die Audience in einen wilden Moshpit verwandeln. Technisch, musikalisch und auch vom Acting ist das komplett große Bühnenkunst. Neben der Tatsache, dass das Songmaterial weniger "auf die 12" ausfällt, als bei SACRED REICH, wirken DEATH ANGEL im direkten Vergleich auch eher professionell- fokussiert, als in einem realistischen Publikumskontakt. Wir jammern hier auf übel hohem Niveau, das ist klar..

Ein Top-Gig, der aber anhand der Überflieger SACRED REICH im direkten Vergleich nur Platz 2 im Duell der Euro League- Aspiranten schafft. 

CAVALERA, ist immer CHAMPIONS LEAGUE, egal wie er sein Baby gerade nennt. Der Mann ist ein Monolith, gerade in dieser absurden Zeit. "Don`t think, give just the energy" spricht der Schamane des METAL und reißt in einem Gig, von dem ich nix erwartet habe, alles ab. CAVALERA ist so überzeugt von seiner Fuck ya, be yourself- Attitude, dass man nur vor Ehrfurcht erstarren kann und sich wünscht, nur einen Teil dieser klaren Mission und Fokussierung in seinem eigenen Leben zu haben. CAVALERA schöpft seine Kraft aus Musik und seinem INNER SELF. Der Tribal- und Ethno- SOULFLY - Sound hat eine Latte Hits produziert im Laufe der Jahre. Bin echt ziemlich geflasht, wie viele es sind. Sound ist klar und super gut ausgesteuert, Hohenems hat den Groove. Die Halle rastet komplett aus und feiert alles, was CAVELERA so abfeuert. "Back to the primitive- fuck all your politics". Primitive. Wir wolln zusammenkommen und das Kollektiv feiern. Zelebrieren. Und die Kraft eines Tribes spüren. CAVALERA bringt uns mit Didgeridoo, Ragga - Attitude und urwüchsigem METAL eine Matrix an den Start, die genug Potential hat, uns zu erden und das zu tun, was uns ausmacht. Der Mann ist ein wirklicher Schamane, der weit über den Auftrag eines Unterhaltungsmusikers hinausgeht. Ich stehe geflasht in der Halle und denk mir nix. Hab CAVALERA im Herzen.  "Give just the energy".