Die Big 3 of US METAL? Oder der Triple Power Metal Treat des Jahres? Das auf alle Fälle. Im fränkischen Geiselwind relativ spontan entschlossen hin und entsprechend mit überschaubarem Zimmerangebot konfrontiert gewesen. Unsere Übernachtungsmöglichkeit entpuppt sich als größter Fail meiner persönlichen Auswärtsschlaf- Historie: Code per Mail, trotz bestätigter Buchung Doppelzimmer nur ein Bett drin. Kein Personal nix. Ne Nummer, die von ner KI Stimme "schreiben Sie ne Mail" als Antwort hat. Tu ich halt und verpass im ganzen Orga- Bonus-Paket die weiteren Gäste des KEEP IT TRUE RISING. Bekomme nen abgezockten Anruf des Betreibers, der alle Schuld von sich weist. Übermittlungsfehler des Systems. Er kann da nix machen. Kein anderes Zimmer, kein zweites Bett. Nix. Vielleicht kann ich beim Buchungsportal eine Stornierung erwirken. So schlag ich mich durch. Kollege schläft freiwillig in meinem Auto, da er mit der Bahn heimfährt, ich 300 km Autobahn. Nach ner überschaubar langen Nacht ein sinnmachender Deal.
Wir kriegen den Frust aber gut transformiert und finden uns unmittelbar bei METAL CHURCH wieder. Davor noch ein Selfie mit Chris Caffery gemacht und dann direkt zu METAL CHURCH: "Ton of Bricks" und "Start the Fire" : die Todesopener vom "The Dark"- Album. Man grinst sich im Publikum an, klatscht sich ab und singt lauthals mit. Toll, diese Metal-Family hier. Realness und Lebensfreude statt Szene-Getue und Trueness- Nobelpreis-Vergabe. So stell ich mir das vor. METAL CHURCH hatten auch schon mehrere Hotelzimmer falsch gebucht bekommen in ihrer Karriere und werfen immer wieder die Frage auf "warum haben die nie wirklich Karriere gemacht"? .
Mit Brian Allen (Vocals) hat VANDERHOOF einen guten Griff gelandet, der Herr liefert sehr gut ab und navigiert stimmlich sicher durch die HOWE und WAYNE Phase. Acting und Ansagen wirken teilweise noch etwas "Metalfan darf auf der Bühne stehen"- mäßig, haben aber vielleicht gerade deshalb ihren Charme. Und wenn er sich mehr in Richtung Professionalität entwickeln möchte, hat er mit VANDERHOOF und DAVE ELLEFSON (ex-MEGADETH) sicher gute Lehrer ;). Gerade von Ami Power Metal- Geschichten ist man halt meist High End Professionalität gewohnt. Die Klassiker sind alle am Start, METAL CHURCH wirken motiviert und ergriffen. Und das bettende Volk weiß eh, dass diese Bands mit die besten METAL- Songs ever verfasst hat (Titelsong, "Beyond the Black"). Wieder mal Jackpott!
Die Energie und Spielfreude mit der ARMORED SAINT agieren, ist beängstigend. Also muss es für junge Bands sein. Nach dem Auftritt brauchst du viel Selbstbewusstsein, um dich noch in der gleichen Sportart beheimatet zu fühlen. Auch wie bei METAL CHURCH bleibt nur eine offene Frage: warum haben diese Ausnahme-Profis keinen Platz im absoluten METAL-Olymp? Wäre ich mit dieser Frage länger beschäftigt, wäre meine Antwort: zu unspektakulär. Im Sinn einer zielgruppengerechten Vermarktung. ARMORED SAINT agieren ohne Evil-, Warrior- oder sonst was Image, machen einfach nur atemberaubend gute (Live) Musik und sollten demnächst die verdiente Chance als Support für IRON MAIDEN oder METALLICA bekommen. So wie sie Anfang der 90er den Support für die SCORPIONS hatten, was aber anhand der damalig komplexen SCORPIONS- Zielgruppe und dem Aufkommen der "Alternative 90er" sicher nicht der erhoffte Karrieresprung war. Auch wenn das Album "Symbol of Salvation" ein richtig geiles (Hard) Rock- Album ist, das man viel zu selten hört. Auf meine eigene Biographie geschaut, hatten ARMORED SAINT auch nie den Status von SAVATAGE oder METAL CHURCH. Aber wie bei den zweiteren, bete ich zum METAL GOD, dass sie endlich das bekommen, was sie verdienen: vollständige Anerkennung und Ruhm. JON BUSH alleine rechtfertigt den Eintrittspreis heute Abend, dieser Mann hat eine überirdische Präsenz und steckt mit seinem Acting die komplette Halle an. Als er plötzlich von der Bühne verschwindet und in der Mitte der Halle auftaucht, habe ich meinen persönlichen "Ehrlich-Brothers" Moment. Er sing mitten in der Crowd und lässt sich feiern. Die Halle rastet komplett aus. Mit den Closings "Can U deliever" und "Reign of Fire" gibt das Publikum nochmal alles und feiert diese 1 Plus- Performance gebührend ab.
SAVATAGE liefern ein Querschnitt-Programm par excellence ab, lassen sich in gewohnter Perfektion durch sämtliche Schaffensphasen feiern. Hier liegt auch schon der einzige Kritikpunkt: SAVATAGE sind so breitgefächert, dass das Programm eher einer Revue gleicht, als einem Best Of- Programm. Vom orchestralen Musical- Bombast der "Dead Winter Dead"- Phase über den Power Metal- Hammer der frühen Tage bis zum lyrischen Zauber der Mitt- und Endneunziger, als mit unterschiedlichsten Stilmitteln gearbeitet worden, performen die Alleskönner in Perfektion und mit authenthischer Leidenschaft. Für mich als Legion passt jede Phase auf ihre Art- ich kann das queeneske "Chance" genießen, bei dem von CAFFERY gesungenen "Warriors" abrocken und bei dem grandiosen "Believe" wie der Rest der Anwesenden in ein Meer der Melancholie versinken. Tränen included. Das Klischee vom harten Metaller, der bei der SAVATAGE- Ballade weint, ist halt sofort greifbar. "I am the way, i am the light, i am the dark inside the night...". Spür den Song jetzt noch. Eingeleitet wird er übrigens per Videobotschaft und Piano- und Gesangseinleitung von JON OLIVA himself. Leider ist dieser erkrankt und kann auf der Tour nicht dabei sein.
Bei "Power of the Night" ist die Halle nochmal am Siedepunkt. Was für eine geile Hymne an das, was uns alle verbindet: Raise the fist of the Metal Child! Ich schaue in so viele begeisterte Gesichter und spüre eine kollektive Freude, die so stark und echt ist, dass man sie gar nicht mehr verlieren will. Diese Kraft hat in der darstellenden Form der Livekunst nur das Konzert. Mit dem einzigartigen, alles vergessend machende Song. Den Alltag, die Probleme etc. Tausendmal zitiert, aber ich frage mich nach so nem durchschwitzten Moment der Eskalation mit anderen Luftgitarren- Heroen: was machen Leute ohne METAL? SAVATAGE bespielt ein wirklich breites musikalisches Feld, punktet bei mir aber heute mit dem "Power of the Night" und "Warriors" Prinzip. Hard `n `Heavy- Eskalation. Natürlich fehlt auch der Übersong "Gutter Ballet" in seiner unerreichten Atmosphäre so wenig wie der Überklassiker "Hall of the mountain king", der die Eskalation als Schlusspunkt nochmal unterstreicht. Auch das "Edge of Thorns"- Album ist mit Titelsong und dem überragenden "Lights out" vertreten. Ein super intensives Konzert, das ich mir aber gern straighter gewünscht hätte, um nicht so oft die Filmspur zu wechseln. Aber das ist das Gejammer auf gestört hohem Niveau. MADNESS REIGNS...