365 DAYS IN METAL #36 ICED EARTH- The dark Saga

Veröffentlicht am 29. Juni 2026 um 23:34

365 Days in Metal Album #2 ICED EARTH- Burnt Offerings

Über ICED EARTH zu reden und dabei JON SCHAFFERS Rolle am 6. Januar 2021 unerwähnt zu lassen, wird heutzutage wahrscheinlich kaum passieren. Ich will über den Musiker und Visionär JON SCHAFFER reden, der mich mit seiner Musik und ICED EARTH zwischen 94 und 96 geprägt hat, wie kaum eine andere Band zu dieser Zeit. Mit diesem herausragenden Album loteten ICED EARTH das Potential ihrer ganzen kreativen Schaffenskraft aus. Von der Grundstimmung pirschte man sich an den Gothic-Zeitgeist der 90er heran, schuf eine Stimmung, die den dunkel-romantischen Stunden mit TYPE O oder MOONSPELL ergänzend zur Seite stand, während Riffing und Intensität freilich eher von Schaffers Helden METALLICA inspiriert schienen.  Wenn es "aufs Gas geht " auf diesem Album, demonstriert Schaffer eindrucksvoll, dass eingängiger, catchy Thrash nicht nur den Branchenführern vorbehalten ist. Wobei es mit einer Reduktion auf Power- und Thrash- Metal hier nicht getan ist: ICED EARTH agieren teilweise Prog-mäßig verspielt und scheinen auch deshalb schon immer ein Standing bei US Prog Metal-Freaks gehabt zu haben. Nach einem verspielt-leichten Part kann auf diesem vielschichtigen Album ohne Schmerz ein Doom-Part a la CANDLEMASS folgen.  Wahnsinnig daran ist, dass nichts, aber auch gar nix, einen Millimeter konstruiert wirkt. Hier hat sich ein Mastermind von Intuition, Literatur, technischem und musikalischen Verständnis und einer großen Metal-Leidenschaft leiten lassen.  Mit ICED EARTH und "Burnt Offerings" hatte der Power Metal sein braves Konsens-Dasein verloren. Der kleine, fleißige Bruder des großen Thrash, der aufgrund seiner Ruppigkeit immer mehr Aufmerksamkeit bekommen hatte,  war in Form von ICED EARTH zu einem "evil Brudi" inkarniert, der durch seine Dunkelheit, Schwere und Variationsvielfalt ein ganz eigenes Lebensgefühl erschaffen konnte, das für mich durch Teenager-True-Love-Suicide Hymnen wie "Last December" (was für ein Banger!!!) und dem Höllenritt "Dantes Inferno" (Überlänge) mehr zu nem Abend mit DISSECTION und EDGE OF SANITY gepasst hatte, als zu ARMORED SAINT und METAL CHURCH. Ein Klassiker - ohne Diskussion !!!

Weiterlesen »

Keine 40 Tage durchgezogen und schon das zweite ICED EARTH- Album? Da sich meine Jugend und das etwas länger anhaltende "junge Erwachsenenalter" hart mit ICED EARTH beschäftigte und darüber hinaus dieses Meisterwerk am kommenden Sonntag im Memmingen von ASHES OF ARES (Band des hier tätigen Sängers Matthew Barlow) performt wird, liegt der Move sehr nahe. Denn wir reden hier von einem Meisterwerk, das aufgrund diverser Gründe leider über einen gehobenen Insider-Status nicht hinauskommt. Die Fakten? ICED EARTH gehen auf ihrem vierten Album wesentlich straighter und erdiger als bisher vor, haben hier quasi ihr "Black Album" aufgenommen. Der oft wilde Mix aus unterschiedlichen Stilen (siehe Vorgänger "Burnt Offerings") ist einem songdienlicheren Stil gewichen, der in punkto Groove und Heavyness ganz klar an METALLICA orientiert ist, seine Epic aus einer unerschöpflichen IRON MAIDEN- Liebe bezieht, ohne das eines der Vorbilder kopiert wird. Grundlegend verarbeiten JON SCHAFFER und Mannen hier wirklich die absoluten METAL- Giganten, schaffen aber ein unverkennbares, eigenständiges Album. Schon alleine durch die sehr markante, durchdringende Stimme von BARLOW, die eine Emotionalität erzeugt, die selbst im stimmpotenten Power Metal ihresgleichen sucht. So wird das tragische Liebesdrama des HELLSPAWN auf diesem Konzeptalbum in einer Nähe und Intimität erzählt, dass ich geneigt bin, BARLOW hier mit den aller größten Meister seiner Zunft zu vergleichen. BARLOW fühlt das Album und jeden Moment darauf. Ob er im sentimentalen "I die for you" eine der gigantischsten Power Balladen ever intoniert, mit dem kompromisslosen THRASHER "Violate" alles dem Erdboden gleichmacht, im Titelsong mit seiner getragenen Erzählerstimme für mich zu einer dunklen Version von DIO wird oder im Schluss-Opus "A question of Heaven" alle Register zieht und diese Liebeserklärung an die Dramatik zu einer Nummer auf "Hallowed by thy Name"- Niveau macht. Bei dem Kniefall vor Herrn BARLOW soll das herausragende Genie JON SCHAFFER und die Kompositionskunst auf diesem Klassiker nicht unerwähnt bleiben. Auch wenn in der METAL-Szene vieles schnell als "Kult", "unantastbar" etc gefeiert wird (ich bin hier auch oft schnell und wenig realistisch), liegt hier ein Album vor, das ich qualitativ mit den ganz großen Sternstunden des Genres auf eine Stufe stelle. Ich könnte es PROBLEMLOS zwischen "7 th Son", dem Black Album, "Youthanasia" und "Operation: Mindcrime" laufen lassen. Ambitioniert? Mitnichten. Dieses Album spielt exakt in dieser Liga. KOI ABER!