DISSECTION könnten eine eigene Fanseite von mir bekommen, wenn ich der Archivtyp und Bildersammler wär, würde ich hier stolz mit meiner Eintrittskarte 96 im LKA angeben oder mit der Comeback-Show 2005 oder 06 in München. Auch auf dem WACKEN 97 hatte ich eine mittelschwere Erleuchtung. Und über "The Somberlain" und v.a. "Storm of the Lights Bane" werde ich hier noch Worte verlieren. An anderer Stelle. Klar ist: niemand hat satanischere und dunklere HEAVY METAL- Musik gemacht, als DISSECTION. Ob das Black- oder Death- Metal ist, ist eine sinnbefreite Frage, da DISSECTION für sich selber steht. Dann kommen wir wie bei ICED EARTH nicht daran vorbei, über JON NÖDTVEIDT zu reden. Genie und Wahnsinn und so. NÖDTVEIDT hat nach der Auseinandersetzung mit classic METAL und OCCULTISMN immer einen tieferen Weg in ein, heute würde man sagen, Rabbit-Hole gefunden. Klar distanzieren möchte ich mich an dieser Stelle von NÖDTVEIDTS Mord an einem Homosexuellen, der durch die nun folgenden Ausführungen weder verharmlost und schon gar nicht glorifiziert werden soll. Zu seinem geistigen Kurs, der ihn immer mehr ins "Reich der 11", der antikosmischen Magie führte, will ich nur bemerken: ich kenne weder "seine" vermeintliche und nihilistische Magie genauer (MLO), will aber zu bedenken geben, dass die im ROCK ´N `ROLL oft adaptierten Magie-Systeme a la CROWLEY ihre zumindest intellektuell zugänglichen Wurzeln in den christlichen und jüdischen Traditionen haben. LA VEY hatte diesen "Makel" erkannt und den Mummenschanz CROWLEY in seiner CHURCH OF SATAN mal kurzerhand über Bord geworfen und damit ein pragmatisches Verständnis von Selbst und Magie geschaffen, das mit seiner Magie heute Großteile "alternativer" Gesellschaftsentwürfe durchzieht. Als Rebellion gegen das prüde Bürgertum und die Individualbeschränkung der staatlichen Erziehung, dominiert das von LA VEY mit SATAN vereinfachte HADIT- Prinzip CROWLEYs den Mainstream. Vom Tattoo- Studio über den CSD über den Fitness-Kult bis hin zur persönlichen Götterbildung auf Social Media. SATAN ist streng genommen genau so rebellisch wie ein Kreismusikfest, wenn man in die DNA spürt. Eine Fähigkeit, die NÖDTVEIDT hatte. Mit der 11 wird der jüdische Baum des Lebens verlassen und die Tore zum Chaos werden geöffnet. Kein Wert, keine Schöpfung hat Bestand. Und der Aderlass ist auch diesem Album anzuhören: natürlich ist "Reinkaos" immer noch um ein Vielfaches besser, als 93 % aller Mitbewerber- Alben. Und obwohl es klar und super klassisch strukturiert ist, fehlt die ganz hohe Kunst der Sinfonie. Nicht, dass es NÖDTVEIDT nicht mehr gekonnt hätte, er hatte eine neue künstlerische Vision entwickelt. Brachialer, einfacher und direkter widmet er das Album Göttinnen wie der KALI oder dem LEVIATHAN. Wesen, die auf der Astralebene nicht unbedingt für Harmonie und Frieden sorgen. Chaos- Götter. Oder Prinzipien. Und so ist das Album aufgebaut. Als Fazit: ein brachial-knallendes HEAVY METAL- Album, das jedoch nicht mit den 90er Alben von DISSECTION verglichen werden darf.