Jeder hat hoffentlich eine Scheibe, die für die absoluten Glückshormone der Jugend steht. Ich kann mir ehrlich gesagt wenig vollkommeneres vorstellen, als mit Matte, Stretch-Jeans, meinem BLIND GUARDIAN- Allover und schwarzer Lederjacke in die Welt einer Kleinstadt reinzugehen, die sich jugendkulturell in vielen Facetten offenbart, aber HEAVY METAL- technisch nicht viel an gleichgesinnten zu bieten hat. Dennoch ist es nicht nicht die GUARDIAN - Leichtigkeit, die in mir durchaus angelegt ist, sondern die MANOWAR- Verbissenheit, die im Jugendhaus bei Parties auflegt oder GRAVE DIGGER- CDs mit zu Schulparties schleppt. Wenn die Leute Mitleid hatten oder sich meinem CRUSADE nicht mehr beugen konnten und ich einen Slot als DJ eingeräumt bekam, war "Welcome to Dying" immer ein sehr willkommener Opener für meinen Set. Dying, das Heer der BAD RELIGION- Girls und WIZO- Boys sollte wissen, dass jetzt mit weltlichem Punk- Tralalala Schluss war. Willkommen zum Sterben. Aber in ein Sound verpackt, der jetzt nicht vor den Kopf stieß, da BLIND GUARDIAN ja bissi so die Fun Punks des TRUE METAL warn. Nett, humorvoll, voller positiver Vibes und einem grandiosen Gespür für Melodien. Dazu kommt, dass sie damals ihre Berufung auch noch im SPEED suchten und fanden. Pogo tanzen war also auch drin, wenn man wollte. Ich hielt BLIND GUARDIAN damals für viel anschlussfähiger als MERCYFUL FATE oder TESTAMENT, was zu der Phase bei mir auch hoch im Kurs gestanden hat. Glaube allzu viele haben meine DJ Überlegungen nicht so richtig verstanden, meist bekam ich mit meinem Sound nur ein überschaubares Träubchen Headbanger auf die Tanzfläche. Da hat "Fighting the world" von MANOWAR tatsächlich besser funktioniert, da bei den immer anwesenden Jacky Halstuch- Trägern "Carry on" einfach eine Bank war. Ich wollte aber nicht diesen Ami Redneck- Dartautomat- Whiskeyflaschenaufhängungs- Sound auf der Party, lieber das frische und stark energyreiche German Speed - Brett. Deutlich mehr heavy als HELLOWEEN zu "Keepers"- Zeiten, mit klaren Bezügen zu SPEED und THRASH der Bay Area und geilen Chören sind BLIND GUARDIAN zu der Zeit eigentlich der Traum einer coolen HEAVY METAL- Band. Der Perfektionismus und die QUEEN/SAVATAGE- Fixierung nehmen auf der übernächsten Scheibe zu und aus den Krefeldern wird ein internationaler Akt und der Inbegriff für nerdigen Rollenspieler- Sound. Zu der Zeit waren sie frisch, spontan und getrieben, wie sich das für eine junge METAL- Band gehört. Trotzdem so herrlich klischeefrei und in Interviews immer ohne Peinlichkeiten und unreflektierten Stuss. War der tatsächliche Gegenentwurf zu US Acts wie SLAYER (RednecKING), MANOWAR (kein Klischee auslassend) und auch METALLICA (Heavy Metal? Das ist doch dieses Empowerment für Zurückgebliebene?). BLIND GUARDIAN haben mir mehr "normal Vibe" vorgelebt, als die allermeisten Acts. KREATOR würde ich noch ähnlich raten. Aber dann hat es sich quasi. Unneurotischer geht echt kaum.