365 DAYS IN METAL #62 SOULFLY - Soulfly

Veröffentlicht am 26. Juli 2026 um 22:03

MAX CAVALERA nochmal: nach den Verwerfungen mit SEPULTURA knüpft MAX mit SOULFLY relativ folgerichtig an das ROOTS- Album an, irritiert nicht wie nach ARISE und CHAOS A.D. mit etwas ganz neuem, strahlt erstmal eine gewisse Verlässlichkeit aus. Objektiv lässt sich feststellen, dass wir es mit einem NU METAL- Album in Sinne von KORN und/oder SLIPKNOT zu tun haben, eine Richtung, die mit ROOTS klar eingeschlagen wurde. Aus dem Liveset neulich sind mir die Songs des Albums voll reingelaufen, auf Scheibe sehe ich allerdings schon den ersten Abnutzungseffekt gegeben. Weder RAGGA und HIP HOP- Einlagen schaffen es, mich tatsächlich in einer euphorischen Aufmerksamkeit zu halten. Alles wirkt nicht mehr so wild und spannend wie auf ROOTS. Das organische gefasste Chaos der letzten SEPULTURA - Scheibe mit MAX wirkt hier systematisiert und irgendwie abrufbar gemacht. Was auf ROOTS ein ergreifendes Stück Innovation, Bewegung und Intensität war, verkommt hier für mich schon zum Dienst nach Vorschrift. Die Frage ist, warum sich dieser Effekt einstellt. Hat der ROOTS-Sound kein Potential für mehrere Scheibe? Das wäre ja ziemlich komisch, wenn man sich anschaut, wie oft wir THRASH-, TRUE-, BLACK- , DEATH- METAL- Alben nach gleichen Strickmustern abfeiern. Ok, die ganz großen der Zunft klingen auf keinem Album wie auf dem Vorgänger (METALLICA, SLAYER, MEGADETH, aber auch JUDAS PRIEST und IRON MAIDEN in der Dickinson-Ära). Aber dann gibt es Bands, die uns mit einem Prinzip über Jahre begeistern (RUNNING WILD, AC/DC, ACCEPT, OBITUARY, BOLT THROWER...). Warum funktioniert das hier nicht? Vermutung: der Business-Plan stand hier über dem künstlerischen Prozess und das ist bei Gott kein Kommerzvorwurf oder dergleichen. Kann mir vorstellen, dass MAX schnell mit SOULFLY im schnelllebigen Musikgeschäft eine Positionierung gesucht hat, die Linie relativ klar gesteckt war und er sich einen kreativen Prozess einfach nicht erlauben wollte/konnte. So bleibt der etwas ungute Eindruck vom ROOTS- Abklatsch vorhanden, da selbst "Ratamahatta" einfach mit "Umbrabaruma" neu angesetzt wurde. Okay, bei den Acts in der RUNNING WILD- Klammer feiern wir gerade die Beharrlichkeit und Vorhersehbarkeit. MAX CAVALERA hat aber mit seiner schamanischen Grundlagenarbeit bei SEPULTURA die schnöde Business-Schiene verlassen, muss sich also auch anders messen lassen, als ROCK `N `ROLF. Also wer meine Einschätzung will: reine Ergänzungsscheibe zu ROOTS. Aber niemals im Ansatz so gut.