365 Days in Metal Album #2 ICED EARTH- Burnt Offerings

Veröffentlicht am 30. Mai 2026 um 15:43

Über ICED EARTH zu reden und dabei JON SCHAFFERS Rolle am 6. Januar 2021 unerwähnt zu lassen, wird heutzutage wahrscheinlich kaum passieren. Ich will über den Musiker und Visionär JON SCHAFFER reden, der mich mit seiner Musik und ICED EARTH zwischen 94 und 96 geprägt hat, wie kaum eine andere Band zu dieser Zeit. Mit diesem herausragenden Album loteten ICED EARTH das Potential ihrer ganzen kreativen Schaffenskraft aus. Von der Grundstimmung pirschte man sich an den Gothic-Zeitgeist der 90er heran, schuf eine Stimmung, die den dunkel-romantischen Stunden mit TYPE O oder MOONSPELL ergänzend zur Seite stand, während Riffing und Intensität freilich eher von Schaffers Helden METALLICA inspiriert schienen.  Wenn es "aufs Gas geht " auf diesem Album, demonstriert Schaffer eindrucksvoll, dass eingängiger, catchy Thrash nicht nur den Branchenführern vorbehalten ist. Wobei es mit einer Reduktion auf Power- und Thrash- Metal hier nicht getan ist: ICED EARTH agieren teilweise Prog-mäßig verspielt und scheinen auch deshalb schon immer ein Standing bei US Prog Metal-Freaks gehabt zu haben. Nach einem verspielt-leichten Part kann auf diesem vielschichtigen Album ohne Schmerz ein Doom-Part a la CANDLEMASS folgen.  Wahnsinnig daran ist, dass nichts, aber auch gar nix, einen Millimeter konstruiert wirkt. Hier hat sich ein Mastermind von Intuition, Literatur, technischem und musikalischen Verständnis und einer großen Metal-Leidenschaft leiten lassen.  Mit ICED EARTH und "Burnt Offerings" hatte der Power Metal sein braves Konsens-Dasein verloren. Der kleine, fleißige Bruder des großen Thrash, der aufgrund seiner Ruppigkeit immer mehr Aufmerksamkeit bekommen hatte,  war in Form von ICED EARTH zu einem "evil Brudi" inkarniert, der durch seine Dunkelheit, Schwere und Variationsvielfalt ein ganz eigenes Lebensgefühl erschaffen konnte, das für mich durch Teenager-True-Love-Suicide Hymnen wie "Last December" (was für ein Banger!!!) und dem Höllenritt "Dantes Inferno" (Überlänge) mehr zu nem Abend mit DISSECTION und EDGE OF SANITY gepasst hatte, als zu ARMORED SAINT und METAL CHURCH. Ein Klassiker - ohne Diskussion !!!