365 DAYS IN METAL #7 PARADISE LOST-Gothic

Veröffentlicht am 31. Mai 2026 um 20:14

Ähnlich als beim Vorgänger-Tages-Album (#6, HYPOCRISY) geht es hier auch um große melancholische Stimmungen und unbändige Power. PARADISE LOST wurden auch völlig zu unrecht von Puristen gerne in der "Wimps and Posers"- Schublade geführt, die generell überhaupt keinen Sinn ergibt, damals aber ein verbreitetes rhetorisches Mittel bei "Metal-Fachsimpeleien" war. Ich persönlich fühle das Album in seiner emotionalen Wirkung total klar: es küsst den von Weltschmerz verzauberten Schwarzromantiker in Dir wach, ohne Dich jedoch in der Verletzlichkeit und Zurückgezogenheit zu halten. Durch treibende Rhythmen und Gitarren zwischen doomigem Rock und Metal formuliert das Album permanent eine Botschaft, genauer gesagt einen Imperativ: "Gothic-Krieger, mach auf! Zieh hinaus in die Welt und entdecke deinesgleichen. Seelen mit Weltschmerz, den die Alpha- Menschen verächtlich "Selbstmitleid" nennen, gibt es genug. Seelen, die in der Nacht magisch glühen und zu tanzen beginnen, wenn der Alpha- Mensch vom Betonfundament seiner geplanten Garage oder dem Gewächshaus träumt. In seinem wohlverdienten Schlaf. Du GOTHIC SOUL musst Dich damit abfinden, dass sie da draußen, das Schwarze, das Klare, das Magische als "schwul", "gestört", "weiblich" diskriminieren werden. Aber schau Dir ihr Kultur- und Sozialprogramm an und fühle Dich geehrt.

Und siehe da, die schwarzen Seelen sind zuhauf, es finden sich die GOTHIC SOULS und auf Festivals und Konzerten wird man immer klarer und präsenter. Das heute obligatorische Schwarz, das die "Metal Szene" zu definieren scheint und schon immer definiert haben soll, war damals Anfang der 90 er optisch längst nicht so prägend wie heute.  Beim Alpha-Mensch-Metal dominierte damals eher so das Blue Jeans- Diktat. Gerade auch oft kombiniert mit der Jeans-Weste, die die Identität sauber von Mutter oder Freundin angenäht auf der "Kutte" spazieren trägt. Durch die GOTHIC SOULS kam eine super neue Energie in den METAL-Kosmos. Schwarz und magisch ist einfach ästhetischer, als blau und blau. Hat auch politisch Bestand: "Sei schwarz und magisch, nicht blau und blau".   So hat die Basic Metal-Szene die Kraft des Schwarz nach und nach adaptiert, da die Vielzahl hübscher Menschen, die plötzlich neu auf den Events auftauchten, auch schwarz angezogen waren. Dazu warn da plötzlich echte Hexen und Hexer dabei. Der Jeans-Westen-Metaller war im Regelfall noch deep im "DIO ist satanischer Rückwärtsbotschaften-Metal" und einer Horrorfilm- und Katholizismus- Definition von Magie und allem was damit zusammen hängt, verhaftet. GOTHIC ist für mich die Aktivierung einer eigenen magischen Strömung im METAL. Bis dato kannte man den Rückwärtsbotschaften-Ansatz  der Jeans-Westen, die ja mittlerweile auch DEATH METAL spielten, und die Adaption von La Vey -oder Crowley- Elementen in ihren Texten genießen.  GOTHIC geht in die Konsequenz: sie (explizit sie, die Scheibe) zapft die Schönheit der Nacht unmittelbar an und gießt sie in den Körper einer starken Kriegerin, die als GOTHIC SOUL ihren Weg unerschrocken gehen will.