Wie würde ich mir wünschen, dass mein 15- jähriges Ich diese Zeile lesen könnte. Ich sitze mit knackigen 49 Jahren am Rechner und schreibe eine Liebeserklärung an dieses Album. Es wäre ungefähr so, als würde im Islam ein neuer Prophet auftauchen, der da mal sagt: "Schweinfleisch, ja und? Schmeckt halt doch". Mein 15- jähriges Ich hatte BIOHAZARD gehasst. Und im Gegensatz zu SEPULTURA hätte ich sie vor ein Kriegsverbrechergericht gestellt. Zum hektischen Crossover-Rock/Metal der Amis kam noch dieser abgefuckte Rapgesang und dieses sinnlose Geshoute. Nach dem intensiven Genuss von CHAOS A.D. (siehe Blog #10) musste ich jetzt in die Vollen gehen und mir das verdorbene Stück Sünde aus dieser Zeit anhören. Dank CD Second Hand-Verkauf von Meister Breze liegt es bei mir schon ne ganze Weile auf dem Schreibtisch und hat mir, ganz unter uns, schon viele laue Sommerabende gepimpt. Pubertät ist so eine furchtbare Suche nach Identität und einem verlässlichen Kompass für die nächsten paar Jahre, dass der junge desorientierte Geist auch wenig Vorbilder mit Meisterfunktion und integralem Rockbewusstsein findet. So sah ich mich in meinen Recherchen ausnahmslos mit den Vertretern des heiligen METAL GRALS oder eben mit No-Checkern CROSSOVER- Deppen in meinem Alter formuliert, die den wirklichen Spirit dieser Musik noch nicht verstanden haben konnten. Ich hätte jemanden gebraucht, der mir klar aufgezeigt hätte, dass BIOHAZARD und RUNNING WILD kein Widerspruch sein muss. CROSSOVER Kids hatten entweder ihre POWER METAL- Phase schon hinter sich oder fanden die Fönfrisuren-Bands der 80er nur Panne. Und TRUE CRUSADERS OF THE METAL BLADE warnten vor der CROSSOVERISIERUNG des Abendlandes. Da ich mich tendenziell eher sentimental prägen lassen wollte, schloss ich mich kurzerhand den CRUSADERS an, drückte auf Schulparties "The Reaper" von GRAVE DIGGER durch und lief am liebsten in meinem MERCYFUL FATE "Unholy Reunion on Dynamo"- Shirt rum. Selbstverständlich war ich auf diesem 93er DYNAMO null. Ironischerweise sollte ich BIOHAZARD auf meinem ersten DYNAMO 95 live sehen. Ich wollte den wahren Metal verteidigen, gegen den Trend sein. Schwarz. True. Satanic. Was später ziemlich hip sein sollte, versuchte ich damals zwischen lauter Alternativ- und Crossover-Kids zu verkörpern. Warum ich nicht einfach nicht auch BODY COUNT, RATM oder eben BIOHAZARD gehört hab? Tja Leute, da wirds magic ;) Mein heiliger Schutzengel hat mich damals schon regelmäßig geschnappt und mir absurdeste Wege in den 80er METAL, der damals null cool war, gezeigt. Vielleicht, dass ich mit Ende 40 über den angesagten Sound meiner tatsächlichen Jugend schreiben kann. Heute lieb ich diesen Prolo-Crossover, der mit "Business" auch eine richtig Antikommerz-Hymne im BEASTIE BOYS - Style verfügt, die an meinem 50er nach MANOWARs "Metal Warriors" laufen wird. Versprochen