365 DAYS IN METAL #14 DR BUTCHER-Dr Butcher

Veröffentlicht am 7. Juni 2026 um 23:38

Nach dem tiefen Eintauchen in die "verbotenen Alben der 90er" wäre es eigentlich nur folgerichtig gewesen, SEPULTURA und BIOHAZARD direkt mit TRUE METAL zu beantworten. Die Scheibe meiner Wahl fällt auf ziemlich eigenwilligen US Power Metal der 90 er Jahre und kommt von keinem geringeren als SAVATAGE- Mastermind JON OLIVIA. Die Hauptband damals ein gebeutelter Riese: nach dem wirklich sehr geilen, aber zwiespältig aufgenommenen "Edge of Thorns"- Album verlor die Band mit CRISS OLIVA ihren begnadeten Gitarristen und JON OLIVA seinen Bruder. Der Band war trotz herausragender Alben immer ein Sprung nach ganz oben verwehrt geblieben, der Erfolg der späten SAVATAGE und v.a. dem Platinseller TRANS SIBIRIAN ORCHESTRA (in den USA mega groß, hier nicht sonderlich bekannt), war hier noch nicht absehbar. Und der vom Leben und der Drogen- und Alkoholsucht gezeichnete OLIVA, machte mit diesem Album seiner Spannung Luft. Der Legende nach sollten es Songs sein, die für SAVATAGE aktuell zu "heavy" waren, da der Stil der Band sich ja immer mehr in Richtung Symphonic-, Prog- und Hardrock bewegt hat. Hier holte JON OLIVA nochmal richtig die METAL_Keule raus. Der Opener "The Altar" beginnt zwar SAVA geTAGEd episch-orchstral, verwandelt sich dann aber kurzerhand in ein US POWER METAL- Klopfer, wie ihn neben SAVATAGE höchstens noch METAL CHURCH in dem Stil gebracht hätten. Durch JONS Organ fühlte sich der ehrfürchtig kniende POWER METAL- Head an die "going Songs" von GUTTER BALLET erinnert, die selbst auf diesem Klassiker schon in der Minderheit waren und den epischen Rock Hymnen Platz zu machen hatten. JON, der mir mal in einem Interview erzählte, dass er VENOM liebt, konnte das ganze METAL-Chaos aus sich heraus in einer Platte zum Ausdruc bringen, was besonders in dem mit Street Credibility" durchzogenen "Don´t talk" (Fuuck You!!!) perfekt zur Geltung kommt. Mit "Season of the Witch" gelingt dann ein unbewusster (?) Kniefall vor KING DIAMOND, was auch dem intensiven Touren mit dem dänischen Großmeister geschuldet sein könnte. Aufbau und Arrangements des Songs erinnern mich teilweise stark an "Conspiracy" oder "The Eye". Harte Metal-Brecher mit progressiven Spielereien und theatralem Aufbau versehen. Bei "Reach out and torment someone" ist der Namen Programm. DR BUTCHER (was für ein bescheuerter Namen) erfindet den METAL keinen verdammten Millimeter neu, holt aber seine unbändige Energie aus der NWOBHM- Zeit, der ACCEPT- Pionierzeit und der Proto-US-Metal-Phase mitten in die 90er, wo es zu dem Zeitpunkt nicht allzu viele Anhänger für diesen Sound gibt, was aber Freaks null vom Kauf abhalten sollte.