365 DAYS IN METAL- #16 DEICIDE- Scars of the Crucifix

Veröffentlicht am 9. Juni 2026 um 23:14

Nach dem gestrigen antikosmischen Filetstück von WATAIN, steht heute der Krustenbraten an. Death- und Black-Metal spielen in meiner Selbstwerdung eine sehr zentrale Rolle. In inspirierter Tonkunst wie WATAIN findet mein nach Dunkelheit schreiender Seelenanteil genau die spirituelle und magische Klarheit, die mich generell zu dunkler Musik zieht. Mit DEICIDE will ich mich heute mit dem geradlinigen Teil von dunkler Musik beschäftigen: dem Teil, der beschlossen hat: Antirolle, Jugendsatanismus, Kreuz in die Stirn, Slayer-Sound als Vorlage nehmen und noch krasser machen. So ungefähr könnte ich DEICIDEs legendäres Debut kurz und knackig zusammenfassen.  Der Traum von einem stumpfen, radikalen und höchst effektiven DEATH METAL- Debut, das ohne Romantik, Reflexion und Intellektualität auskommt. Ein Batzen, der einfach nur durch rohe und ungeschliffene Schönheit besticht und den ich mir jeden Tag anhören kann, da ich eigentlich unterm Strich kein pureres DEATH METAL- Album kenne. Mit "Scars of the Crucifix" (2004) sind DEICIDE über 10 Jahre im Geschäft und befinden sich nach dem Hype Anfang der 90er Jahre in ruhigeren Gefilden.  Also nicht musikalisch- versteht sich.  Im DEATH METAL gibt es längst professionellere, extremere, kreativere, stumpfere und ja auch satanischere Genossen. Wobei letzteres natürlich immer ein Stückweit Betrachtungsabhängig ist.  

GLEN BENTON klatscht mal seinen Erzfeind Jesus aufs Coverbildchen und disst ihn mit Verweis der Narben durch das Kreuz. Natürlich hat er neben der konkreten Dimension auch die lyrischere erfasst, die ihm im Verweisen auf die Wunden durch das Christentum auf die Menschheit, einen gewissen philosophischen Tiefgang verleiht. Zumindest in der Selbstwahrnehmung. Nach dem geilsten Geholze, wie wir es an DEICIDE lieben, liefert er mit dem vierten Schlachtross einen besonderen Batzen Hate an den genagelten Zimmermanns-Sohn: "Fuck your God" ist in seiner Direktheit und brachialer Machart selbst unter direkten Brachial- Masterpieces nochmal eine Kategorie für sich. Man sieht BENTON förmlich auf dem Berg Golgotha neben dem Kreuz stehen und dem leidenden Christi am Kreuz ein hasserfülltes "Fuck your God" an den blutenden Dornenkranz schmettern. Mein ästhetischer Kompass macht normal einen Bogen um diesen typischen Antikatholizismus im christlichen Moralkodex hadernder Musiker. Ich finde den plakativen Antichristen-Film normal so nichtssagend wie Splatter, Gore und all so nen Scheiß. Bei DEICIDE ist es diese eindimensionale Kompromisslosigkeit, die mich catched. All Welt schreit: "Metal ist doch viel zu plump!". DEICIDE so: "lang nicht plump genug!".  So sind DEICIDE auch mit "Scars of the Crucifix" eine verlässliche Größe, wenn es nur darum geht, einfach das mühsam aufgebaute Bild des Tages würdevoll und gnadenlos zu dekonstruieren. DEICIDE!