Tag 19 dieser unglaublich zeitintensiven Challenge. Es ist fast mein Humor, dass gerade im Metal durch ein Überstrapazieren von Ritualen und Regeln ein Korsett für einen objektiv betrachtet absoluten Sekundärbereich wie dem Genuss von Musik geschaffen wird. So wird durch eine Challenge wie diese, schon Musikhören zur täglichen Pflicht, zur Arbeit, obwohl damit nichts zur Wirtschaftlichkeit und zum Wachstum des materiellen Lebens beigetragen wird. Der Effizienzbasierte Rationalist fasst sich irritiert an den Kopf und stellt sich ernsthaft die Frage, wieviel Aufwand man betreiben muss/kann, um dann drei Kumpels bei Gelegenheit die Schreibergüsse lesen zu lassen...
Aus Perspektive des Effizienzbasierten lebe ich in einem ewigen TEMPELSCHLAF, womit mir dann die Überleitung zu diesem herausragenden Highlight gut geglückt wäre. Wahnsinn. Als ich vor ca. 15 Jahren erstmalig mit RUINS OF BEVERAST in Kontakt kam, hätte ich den Stil noch relativ klar mit BLACK METAL beschrieben. Besonders ein Auftritt, 2013 beim FUNKENFLUG auf der Neudegger Alm, war mein RUINS- Moment. Ich fühlte mich im Kreis dieser unberührten Natur erhaben ergriffen vom DARK THRONE/ BURZUM- artigen Proto-BLACK METAL, der mich für den Moment an die befreiende Ruhe des Nichts heranführte. Diese Magie einer SOULSIDE JOURNEY. Damals waren dann selbst die genialen SECRETS OF THE MOON und auch die gerade auch bei mir super hoch im Kurs stehenden PRIMORDIAL null in der Lage, diese Erfahrung zu toppen.
Heute, 13 Jahre später, sind die RUINS komplex und wieder locker Headliner in meiner aktuellen Playlist. Ein TEMPELSCHLAF, da sind wir uns wohl einig, ist mehr als ein Nickerchen. Er ist wahrscheinlich ein direkter Weg in die astrale Dimension, in der unsere Seelen noch wabern und sich noch nicht für die Klarheit des Tagtraumes entschieden haben. Und so ungewiss, undefinierbar und nicht greifbar die Astralebene ohne definierte Projektion ist (Körper), so ist der Sound auf dieser brandaktuellen Veröffentlichung. Ich folge einem psychedelisch anmutenden Part, werde unmittelbar in einen Aggressionsausbruch gerissen und verschmelze im siechenden Wasser der hypnotischen Sirenen mit dem wohlbekannten, wohligen Nichts. Ein magischer Akt, der auf eine Beschreibung weder angewiesen ist, noch viel durch die Aneinanderreihung von Wörtern gewinnen kann. TEMPELSCHLAF muss erträumt, erfühlt, erschlafen werden. Der Text als Stimulanz, die Erfahrung selber zu machen. Eine Scheibe, die mich an Tag 19 im aller positivsten Sinne an LIMBONIC ART erinnert, ohne dass die Bands jetzt konkret verglichen werden können. Aber es ist die Komplexität von EMPEROR und das magische Feeling von TIAMAT, wenn damit irgend jemand ein Stimmungsbild bekommt. Versprochen: morgen machen wir was handfestes! GRAVE DIGGER oder ACCEPT. Oder nochmal SAXON.