Tag 20, das war im Outro von Tag 19 schon angekündigt: nach all den Death- und Black-Metal- Alben der letzten Tage, sollte hier nun Space sein für ein solides TRUE METAL- Album. Und ich habe es genossen, mich heute intensiv mit diesem deutschen Klassiker auseinander zu setzen. RUNNING WILD sind für viele 90er Kids der Innbegriff von "hängen gebliebenen Fantasy-Opfer", die sich vor der Realität auf die Schatzinsel flüchten und sich in typische Grundschulabenteuern für Jungs verlieren. Zugegeben, Piraten üben für mich in der Altersspanne 6-10 eine krasse Faszination aus. In der Auseinandersetzung sind sie halt die übel freien Seemänner, die sich an keine sesshaften Strukturen binden. Sie wollen die Welt erkunden und nebenbei noch Angst und Schrecken auf den 7 Weltmeeren verbreiten. Gerade so betrachtet, matchen METAL und Piraterie vollkommen.
Mit "Death or Glory" haben RUNNING WILD ihren ersten perfekten internationalen HEAVY METAL- Klassiker abgeliefert. Niemand negiert hier dadurch den Wert von den beiden Proto-Alben "Gates to Purgatory" und "Branded and exiled",die beide mit ihrem satanischen und rebellischen Charme wirkliche Klassiker der Mittachtziger sind. Die Essenz von JUDAS PRIEST und VENOM in charmante Visionen wahrlich schwarzer Heavy- Kunst gepackt. Zugegeben, es gibt wenig Sound bei mir, der so krass dieses "Friday Night, dressed to kill"- Feeling auslöst, wie diese beiden Vollklassiker. Das Textzitat, Worshipper haben es längst bemerkt, stammt schon von "Under Jolly Roger", was RUNNING WILD hart auf der Schatzinsel 80er Hard`n` Heavy platziert hatte, auch wenn manche das Konzept und die Musik belächelten. Mit "Death or Glory" setzen RUNNING WILD zu ihrem vorläufigen Masterpiece an: kreatives und variables Songwritting, Hymnen und eine Eingängigkeit, die HELLOWEEN zwar nicht toppt, aber deutlich macht, dass auch mit einer eingeschränkteren Stimme (als mit der von Michael Kiske), Hymnen mit kreativer Wirkung möglich sind. Wer es als "Kinder Metal" verschreien will, bitte. Die deutsche Variante von POWER METAL kann sicherlich in punkto Roughness und schädelspaltender Wucht nie mit vergleichbaren Alben aus Übersee mithalten, setzt aber mit der positiven Grundstimmung und der verspielten Leichtigkeit ein Trademark, das später eine Generation von europäischen POWER METAL_ Bands prägen wird. Diese hohe Musikalität, der Ideenreichtum und den Anspruch auf lyrischer Ebene zu wirken, macht RUNNING WILD zu einer nur zu huldigenden Institution, die mir diesen Samstag (Tag #20) vor Augen führt, dass RUNNING WILD nie DEATH sind, nur GLORY. Ich habe neben HELLOWEEN hier meine Lieblings Hamburger gefunden und hätte keine weiteren "Europe Power Metal"- Entwicklungen mehr gebraucht. RIDING THE STORM!!!