365 DAYS IN METAL Album #23 MOTÖRHEAD-Bomber

Veröffentlicht am 16. Juni 2026 um 18:00

Unter uns: der MOTÖRHEAD- Hype, der auf einer Radiostation gar in ein unsägliches "Lemmy unser" mündet, nervte mich phasenweise fast mehr als LEMMY die Bezeichnung Heavy Metal für seinen Sound. Oh ja, wie krass waren sie immer, die Diskussionen in der Jugend in denen gemutmaßt wurde, wie viel Whisky, Zigaretten oder weißes Pulver der gute LEMMY so daily konsumiert. Durch die "Unhealthy Scores" der damals gängigen Zeitschriften wurde das Thema noch mehr zum Fokus als die eigentliche Musik. Durch die Feuilleton der Republik und ein Classic Rock and Metal-Revival auf Festivals wurden MOTÖRHEAD wieder zum Dauerthema und zu einem "Street Credibility"- Indikator eben kopflastiger Kulturjournalisten. Für mich warn sie immer da, natürlich respected und die Wirkung von "Ace of Spades" als 14 jährigen kann ich natürlich auch nicht abstreiten. Aber dass mich MOTÖRHEAD geprägt hätten, wie zB IRON MAIDEN, METALLICA oder MANOWAR, davon konnte nicht vom Ansatz eine Rede sein. Im Gegensatz zu den drei genannten waren MOTÖRHEAD in meinen jüngeren Jahren eine klassische Konsensband. Die großartigen, heiligen und über jedem Zweifel stehende IRON MAIDEN wurden Ende der 90er Jahre von vielen hart gehated, da der Inbegriff von Sirenen-Voice und Alte weiße Männer- HEAVY METAL. METALLICAs Polarisierung liegt in der Natur ihres Status und die KINGS OF METAL waren eh umstrittener als alle anderen. Daran hat sich bis heute nix geändert.

MOTÖRHEAD hingegen sind der Konsens- Shit: sie headlinen Touren mit KREATOR und MORBID ANGEL, werden mit ihren Dauerbrüdern SAXON zum Inbegriff echten Kutten-Metals, sind auf der Operation Rock n Roll mit ALICE COOPER und JUDAS PRIEST unterwegs und spielen von ENTOMBED über MONSTER MAGNET bis DARK THRONE in jeder Musiker- Biografie irgendwie eine Rolle. 

Ich liebe "Bastards", ein großartiges Album und kann auch mit einigen weiteren Dingern aus der Mitt-Neunziger-Phase der Band sehr viel anfangen. Mit den Klassikern aus der Frühphase sieht es eher mau aus: weder "Overkill" noch "Bomber" oder sonst was laufen bei mir allzu oft. Ich stelle mir still im Kämmerlein oft die Frage, ob bei mir was nicht stimmt. Ob ich irgendwie eine MOTÖRHEAD- Unverträglichkeit habe. Ich stelle aber immer fest, dass ich bei Livegigs der Band zwischen 1997 und 2006 (da habe ich ein paar beigewohnt, da MOTÖRHEAD "gefühlt" auf jedem Festival waren) immer ganz großen Spaß hatte. Irgendwann beschloss ich, dass das ein normales, gesundes Verhalten ist: MOTÖRHEAD ist Live- und Partymucke und kann in den heimischen vier Wänden nicht die gleiche Wirkung erzielen wie es "Powerslave" oder "Kings of Metal" tun. Ich bin also doch ganz normal. Heute liebe ich MOTÖRHEAD zum Autofahren. MOTÖRHEAD- Hardliner mögen mir verzeihen: es ist easy listening. Aber halt viel geiler, als das Gedudel der Radiosender. Erzielt bei mir aber den gleichen Effekt. Ich wippe etwas mit, freue mich über jede aufgehobene Geschwindigkeitsbegrenzung und habe dieses "Easy- Gefühl".