365 DAYS IN METAL Album #27: CRADLE OF FILTH- Cruelty and the Beast

Veröffentlicht am 20. Juni 2026 um 21:07

Der Metal-Ritt durch die 365 DAYS IN METAL wird auch ein brutaler und schmerzhafter der Selbsterkenntnis: beim Zusammenstellen der Playlists wird mir immer bewusster, wie unvollständig und lückenhaft meine Sammlung im Laufe der Jahre geworden ist. Verkäufe, Umzüge und unerklärliche schwarze Löcher scheinen verantwortlich, dass vieles, was ich selbstverständlich auf der "Habenseite" wähnte, einfach nicht mehr im Kornspeicher ist. Im Aeon der Streamingdienste und Youtube könnte man sagen: WTF. Aber ich dachte, dass ich hier zumindest ein ordentlicher Schwabe sei, der zwar nicht alles alphabetisch geordnet archiviert, aber notfalls alles sofort zur Hand hat, wenn es notwendig ist. Pustekuchen! 365 DAYS IN METAL entwickelt sich gerade immer mehr zur General- Inventur und der schmerzhaften Erkenntnis, dass ich über den Verbleib diverser Perlen einfach keine Ahnung habe. Zwar sind mir METAL- Buchhalter generell suspekt, aber absolute MATERIAL-ANARCHISTEN wie ich sind es auch. Wenn Du dem eigenen BEAST ins Auge blickst und realisierst: dein Dämon ist ein antimaterieller. Wer sich mit Tarot und de Lebensbaum beschäftigt, kennt die verheerend- wirkende "7 der Scheiben"- Merkur im Stier. Geiler weise noch meine Merkurstellung im Geburtsradix. Merkur ist hier wohl in seiner unverbindlichsten, chaotischsten Form am Strahlen, wenn er in der instabilen 7 wirkt. Der ästhetische und im irdischen Genuss verhaftete Stier kann wenig anfangen, wenn nach einer SACRED REICH- Scheibe beim Suchen nach der CD- Hülle (drum kein Bild) ein CRADLE OF FILTH- Album in ner Kiste entdeckt wird. Zack, das ist die neue Scheibe. Der Stier hätte lieber ein aufbauendes SACRED REICH-Erlebnis. Bring mir jetzt FORBIDDEN. Oder von mir aus noch MACHINE HEAD. Aber CRADLE OF FILTH.... Das ist nur für den Götterboten Merkur in seinem verspielten Aspekt ein perfekter Move. ..

Da ich meinem Dämon gegenüber stehe, zumindest der unerlösten Seite dieser Energie (Merkur im Stier gibt mir auch einen extrem strukturierten Teil, der Konzepte schreibt und Blogs), kommt ein chaotisches Album wie dieses gut: was macht CRADLE OF FILTH auf ihrem dritten Longplayer aus? Mit einer durchgängig durchgeprügelten Drum- Wucht erfüllt das Album schonmal ein BLACK METAL-Klischee überhaupt nicht. Der Schlagzeugsound ist vielleicht nicht warm, aber definitiv brachial. UNCLE NICK prügelt hier durch und bildet neben DANIs charakteristischen Vocals die zweite Hauptsäule des Gesamtkonzeptes ab. Gitarrenparts und Keyboards sorgen für Elemente im Horror-Hörspiel und erfüllen mitunter weniger songdienliche Funktionen im konventionellen Sinn. Das macht das Album sehr speziell und für meine Begriffe auch einzigartig. KING DIAMOND nochmal konsequenter in die Film-Richtung gedacht. Wo der König doch (meist) noch in linear-nachvollziehbaren Songstrukturen verhaftet bleibt, komponieren CRADLE OF FILTH nicht im konventionellen Sinn. Sie vertonen ihr makabres Hörspiel. Chaotisch und mit der schelmischen Freude eines Götterboten in der Venusfalle. 7 der Scheiben.