365 DAYS IN METAL Album #31 RAGE- Ghosts

Veröffentlicht am 24. Juni 2026 um 23:34

Neulich musste ich lachen, weil irgendwo stand: wisst ihr was das Beste an IRON MAIDEN ist? Richtig, sie haben noch nie ein Orchester-Album aufgenommen. Sicherlich würde sich das mit dem Songmaterial von MAIDEN hervorragend anbieten und vielleicht kommt das auch noch auf uns zu, wer weiß. "Lingua Mortis" von RAGE war gegen Mitte/Ende der Neunziger ein richtig cooles Album, das den Songs der damals jüngeren RAGE Vergangenheit eine neue, nicht geahnte Tiefe verleihen konnte und mich damals insbesondere live sehr beeindruckt hat (die 97er Show auf dem WACKEN war ein Statement). Dass RAGE damals mit ihrem "nichtssagenden Profil" aus dem Schatten der nationalen Mitbewerbern von RUNNING WILD, BLIND GUARDIAN bis hin zu HELLOWEEN herausgehoben hat und den netten Jungs aus Herne ein eigenes Profil verschafft hat. Das war wahrscheinlich immer bissi das Problem von RAGE: RUNNING WILD warn halt die Piraten, BLIND GUARDIAN, auch liebe und nette Jungs mit Abitur und guten Benehmen, die Tolkien- Freaks und HELLOWEEN warn mit dem Kürbis- und Lustig-Image auch klar gebrandet. RAGE erweckten weder den Eindruck VENOM im "Rock`n`Roll- Sein" Konkurrenz zu machen, auch wenn sie regelmäßig mit MOTÖRHEAD spielen durften, noch sonst irgendwie mehr zu sein, als all die langweiligen Typen, die man als Väter der eigenen Kumpels kannte. Gut, PEAVY hatte so ein Faible für Totenschädel. Das hob ihn etwas aus der Facharbeiter - und Ingenieurs - Rasenmäher-Liga. Aber auch net wirklich. Wenn man bei den LBS- Djangos genauer hinschaute, war da auch meist irgend ein Sammelelement mit drin. Gut, dass PEAVY die naheliegende Idee hatte, den Zuspruch, der ihn mit Orchesterideen erreichte, zur allgemeinen Image-Sache zu machen. Und leider kam mit "Ghosts" nicht mehr raus, als das übliche RAGE- "Problem".  "Ghosts" kommt über "super nett und trifft man gern beim Elternabend" nicht raus. Wirklich: gerade in Sachen Gesangsmelodien kann Herr Wagner, wie so oft, richtig überzeugen. Der typische RAGE- Ohrwurm heißt hier "Love and Fear Unite".  Das Songwritting ist ambitioniert und die Zusammenarbeit mit klassisch ausgebildeten Musikern hat RAGE sicherlich extrem gut getan. Sagen wir es so: als Freund kraftvoller Rockmusik mit Emotionen, die aus dem real life kommen und mit klassischen Musikern arrangiert wurden, hat man hier die angenehme Abrundung eines Tages im Hamsterrad. "Spiritual Awakening" auf vorliegender Scheibe überzeugt zwar abermals mit einer großartigen Refrain plus zugehöriger Bridge. Aber ein "Spiritual Awakening" bleibt aus. In Body, Mind and Soul. Ein alter Wegefährte nannte RAGE immer "die gut bürgerlichen". Genau hab ich die Bedeutung dieser Bezeichnung nie erfasst. Ich glaube, dass sie mir mit der Auseinandersetzung mit "Ghosts" gerade klar geworden ist.