MILLE PETROZZA-Your heaven, my hell

Veröffentlicht am 14. Januar 2026 um 22:46

ullstein extra (Buch)

 

Meine Schnittmengen mit Mille Petrozza warn schon immer: Halbitaliener mit wenig bis null Italiener-Film, politisch ziemlich interessiert und mit klarer linker Grundhaltung versehen und glühender Metal-Maniac. Als grundlegendes Element teilen wir außerdem unsere ersten Bühnenerfahrungen als Kinderzauberer. Mille hat sich diesbezüglich weiterentwickelt, ich mit Abstrichen ;). 

Wenn ich als langhaariger Mit-Zwanziger nicht immer wieder für Mille gehalten worden wäre, ich hätte diese Aspekte nicht erwähnt und die gefühlten Synchronitäten nicht in den Fokus gerückt. 

Dass ich Mille dreimal interviewt habe (95, 97 und 2001), hat eine weitere Verbindung geschaffen. Aussagen von ihm blieben mir immer hängen. In nem Interview mit uns: "Sodom, ich versteh nicht, warum wir immer verglichen werden. Thomas (Angelripper) ist doch mehr so der Rock`n`Roller", oder auch sein Statement in einer größeren Postille,  wonach er den Böhsen Onkelz ihren Sinneswandel schon abnehme, trotzdem nicht mit ihnen spielen will, da diese für ein ganz anderes Milieu stehen und (sinngemäß) antifeministische, chauvinistische und konservative Standpunkte verkörpern. Ich kann es nur sinngemäß zitieren, hätte es aber nie so klar und prägnant auf den Punkt bringen können. 

Eine von Milles Kernkompetenzen ist, intuitiv erfasste Bilder in einfache und direkte Sprache zu bringen.  

Grandios in seiner Biografie, wie er seine fast schon panische Angst vor MOTÖRHEAD und ihrem Publikum in brillante Sprachbilder packt: "Motörhead, das war für die Rocker. Typen mit Kutten. Da wollte ich nicht hin". Fühlt ein fünfzehnjähriger, der zwischen KISS, IRON MAIDEN, SLAYER, VENOM,MERCYFUL FATE und METALLICA die Elite des METAL entdeckt. So fucking authentisch. Wie die ganze Biographie. Seine Stärke liegen nicht in der sturen Stringenz von Ereignisschilderungen und dem chronologischen Analysieren stattgefundener Entwicklungen. 

Mille schreibt assoziativ: sein Feeling folgt den Gedanken, nicht die Ratio. Dennoch ist ein international erfolgreicher Musiker natürlich spielend in der Lage, diesen Gedanken-Ketten Struktur und Sinn zu verleihen. 

Mille erinnert sich, wie chaotisch und zufällig "Endless Pain" (das Debut) letztlich entstanden ist, wie er von CELTIC FROST in Zürich verführt wurde (kannte ich null, diesen Fakt) und wie er allen Grund hatte, GRAVE DIGGER zu hassen.  ;)

Freaks mit experimentellen Lebensentwürfen aus dieser Zeit und darüber hinaus, kennen dieses "flowen" und "streamen". Mille flowt und streamt wie ein geübt, hat in sich jedoch einen unerschütterlichen Willen, seinen eigenen Weg erfolgreich zu gehen. So hat der Heavy Metal wahrscheinlich Mille nicht gerettet. Seine pure Kraft und Klarheit haben ihn jedoch in dem bestärkt, was er ist : MILLE PETROZZA. Read it or hate it!!!