Heute TRIPLE THRASH TREAT, liebe Freunde. Dreimal Jugendliebe. Dreimal nie wirklich aus den Augen verloren. Dreimal immer wieder geflirtet, aber Feuer ist nie mehr entfacht.
Die Ausgangslagen:
MEGADETH: mein Opa starb im Januar 92 (ich war 15). Während die Trauergemeinde noch am Grab stand, checkte ich mit meinem Bruder rüber in die Festhalle zum Johanniter-Flohmarkt. Da für 10 Mark die "Rust in Peace" abgestaubt, zurück zum Grab. Paar Monate später muss die "Countdown" rausgekommen sein. Großartige Zeit, großartiges Album. MEGADETH 95 in Zürich mit C.O.C. im Vorprogramm, dann trennten sich unsere Wege eigentlich schon wieder. MEGADETH warn mir irgendwie zu bürgerlich, zu brav, obwohl das in Zürich voll mein Film war. Das chaotisch-wildere Element in mir hatte recht dominant übernommen. SLAYER und BLACK METAL zum "Hit from the Bong". Da war MEGADETH einfach ne Spur zu harmlos geworden. Klar, Mega-Dave und Co warn immer wieder mal präsent: als Support zeitloser, phasenunabhängiger Legenden wie IRON MAIDEN oder JUDAS PRIEST, oder als Rockstars auf irgendwelchen Festivals. Aber jeder THRASHER trägt MEGADETH im Herzen. Erzählt mir kein Scheiß von Stimme, Arroganz oder sonst was aus dem Bullshit-Bingo. Wer MEGADETH "Anarchy in the UK" abfeuern gehört hat, kann sie nur lieben.
KREATOR: Mille ist einfach ziemlich cool, ehrlich und macht auch verdammt ehrlichen Sound. Schon immer. Natürlich hab ich das keinen Meter gecheckt in meinen Mit- und Spätzwanzigern; wollt immer wieder nur "Coma of Souls" und den Shit, den man halt von damals kannte. Ich bin 96 nach Offenbach gefahren, um sie mir mit SODOM, EXODUS, GRIP INC, IN FLAMES und SAMAEL (was für ne Tour) anzuschauen. Neben der geilen Co-Headliner-Show (SODOM warn der Main-Act) chillte ich noch mit zwei übel hübschen THRASHER- Girls aus Trier, die mich bissi wie Mille fanden. Das hat mir damals hart geschmeichelt. Dann warn KREATOR halt in den 2000ern nicht mehr so Prio. Ging soweit, dass mich ihre Headliner-Show auf dem 2014er PARTYSAN relativ kalt gelassen hat.
Heute bin ich wieder voll drin, nicht zuletzt durch Milles cooles Buch ;)
TESTAMENT: "The Legacy" (Debut) ist eine meiner ABSOLUTEN Lieblings THRASH- Scheiben. Virtuos wie METALLICA, Punchig wie EXODUS und auf seine Art evil wie SLAYER. Sonst habe ich mehr TESTAMENT- Liebe in mir, als vielleicht wirklich gut ist. Das Promofoto zu "The Ritual" (die Jungs in nem U-Bahn-Schacht glaub ich), war auf jeden Fall meine Style-Erleuchtung- bis heute: schwarze Stretch, Bandshirt, schwarze Lederjacke. Besser kannst als Typ net aussehen. Sonst: ihre "Death Metal"- Phase in den 90ern fand ich cool, ihre "Pseudo-Metallica"- Phase nicht. Ihre 2000er Alben ham mich erreicht, aber nie geschickt. Ich liebe ihr 99er Ding "The Gathering". Das ist mit DAVE LOMBARDO einfach so cooler THRASH mit allem, was das neue Jahrtausend brauchte ;). Leider hab ich noch nie nen wirklich coolen TESTAMENT- Live Gig gesehn: 97 auf dem DYNAMO warn EXODUS einfach viel wilder, anarchistischer und geiler. Irgendwann in den 2000ern hatten sie MARDUK dabei. Das ging leider auch net auf. Da ich nach MARDUK mit LEGION TESTAMENT nicht mehr so flashig fand. Und zuletzt als Support von ANTHRAX und KREATOR empfand ich sie lahmarschig und ohne wirklich stimmige Setlist.
Nun haben alle drei Combos mehr oder minder neue Scheiben raus. Und alle drei hab ich mir gezogen....
MEGADETH: um das Fazit vorweg zu nehmen: von den drei sicherlich der krasseste Namen und den mit Abstand höchsten Rockstar- Faktor. Umso geiler, dass der Opener "Tipping Point" gleich losgewittert wie die Hölle. Hier kommt ne Energie wie zu besten Countdown- Zeiten auf, das ist von der Instrumentierung "Mainstream Thrash as Fuck". Deshalb redeten Insider wohl auch von nem Step back in die 90er. Auch "I don t care" erinnert irgendwo an ältere MEGADETH- Glanztaten. Vom Riffing sind die Herren immer voll mein Geschmack, die Songs knallen und sind extrem ausgereift. Fragmentiert orientiert man sich immer und überall an Elementen aus der eigenen und ruhmreichen SPEED- und THRASH- Geschichte ("Let there be shred" bringt dies geil auf den Punkt") und arrangiert diese auf einem reifen, erwachsenen Rockalbum. MUSTAINE ist Winzer aus Passion. Selbst Nicht-Weintrinker kennen das Prinzip und die Philosophie zu Weinen. Reifen. Ich hätte den impulsiven Dave gern öfter an der Tanke billigen Schnaps holen und weniger im Weingut chillend. Dass er den Instinkt noch hat, deutet "Made to Kill" an. Für mich ein Highlight auf der Scheibe. Könnte ein Mustaine-Fanboy wie JEFF WATERS als ANNIHILATOR- Song geschrieben haben. Immer ehrfürchtig vor dem MUSTAINE- Poster betend. Geil! Ziemlich straight forward. Es ist beeindruckend, wie ein Chaosbündel mit immensem kreativen Potential und musikalischem Genius sich im Lauf der Jahre derart kultiviert und strukturiert bekommen hat, ohne den Kontakt zum Feuer seiner Jugend zu verlieren. Ein guter Wein, der noch sehr gut werden könnte.
KREATOR: Veganer, Nichtraucher und Fitness- Freak Mille setzt auf Transformation: aus der Dunkelheit der Welt schafft er Speed und Power, um zu bestehen und vor allem, um am Ende alles zu meistern. Das ist die Magie von KREATOR, die mir so sympathisch ist. Die dunklen Metaphern aus Politik, Mystik und Religion sind Symbole der kollektiven Kraft, die KREATOR aktivieren. In ihrer Vision und ihrem Sound. Ein Kumpel von mir meinte "Klingt mir teilweise zu plakativ nach MANOWAR", irgendein ein Sound-Mag meinte "Metalcore für MANOWAR- Fans". Ich musste lachen, dass beide dieselbe Idee hatten. Mille weiß, dass MANOWAR kein Schimpfwort ist. Trotz feministischer und antifaschistischer Haltung, liebt er MANOWAR. Vielleicht gerade deswegen. Metalcore für MANOWAR- Fans setzt den NUCLEAR BLAST- Kurs der Vorgänger-Alben fort: catchy, intensiv, voller Leidenschaft. Darum geht es im METAL. Mit BRITTA GÖRTZ ist ne Granate mit an Bord, die "Tränenpalast" zu einem wirklich richtig geilen Song veredelt, indem sie ihre ganze "dark Goddess"- Kraft in den Dienst des Songs stellt. Im Metal darf das MANOWAR-Element NIE zu kurz kommen. Aber auch die weibliche Urgewalt einer BRITTA GÖRTZ nicht. Wenn Dich die Welt zu bös holt, hol Dir dieses geile Album. FIGHTING THE WORLD war mal, KRUSH THE WORLD!
TESTAMENT: von "Para Helium" hätte ich wahrscheinlich wenig bis gar nix erwartet. Und soviel vorab: ich lebe dieses Album und kann es kaum erwarten, TESTAMENT nach diesem alchemistischen Prozess, den sie offensichtlich durchlaufen haben, live zu sehen. Die Befreiung liegt darin, kein THRASH- Klischee mehr erfüllen zu müssen/zu wollen. "For the Love of Pain" mit seiner Wucht und den Black Metal- Gitarren (!!!) ist gleich mal ein Opener, der krass aktiviert. Chucks Stimme ist dabei im "Demonic"- Vibe eingetunt und wirkt für mich auch vom Mix total geil in den Gesamtsound integriert. Song 2 hat dann mehr Analogien zum Standard TESTAMENT- Thrash der letzten Alben, wurde aber auch generalüberholt und gepimpt ohne Ende. So baun die BAY AREA Götter schon fleißig Elemente ihrer Kernkompetenz in den Sound ein, wirken aber irgendwie viel frischer, "härter" und dynamischer als auf den Alben davor. Statt mit OVERKILL und/oder ANTHRAX, könnt ich sie mir mit dem Album problemlos mit ARCH ENEMY und/oder CARCASS auf Tour vorstellen.
Fazit: alle drei Alben sind Pflicht, wobei sich TESTAMENT die shitty Ballade hätten schenken können ;)