KRUSHERS OF THE WORLD

Veröffentlicht am 11. April 2026 um 12:43

10. April 2026 MHP Arena Ludwigsburg   KREATOR   CARCASS   EXODUS  NAILS

Innerhalb von gut zwei Jahren KREATOR nun zum vierten Mal live für mich. 

Nach der Special Club Show im Sommer 24, der Hallentournee mit Anthrax im Winter 24 und dem herzerwärmenden Old School- Gig im Kaminwerk (Sommer 25), nun also als gefeierter KRUSHERS OF THE WORLD- Headliner. 

Ein echt beeindruckendes Vorprogramm hat man auf die Füße gestellt. NAILS mit ihrem grindigen Hardcore-Metal bekommt man in unseren Gefilden nicht täglich zu sehen. waren zumindest für mich first Time. Die Scheiben lege ich sehr gern auf, wenn ich brachialen Planiersound ohne Verführung zum Denken brauch. So mein Eindruck auch live: knallt. Richtig. Genug geschrieben. 

EXODUS und CARCASS jeweils mit 45 Minuten zur klassischen Support-Band zu machen, zeugt definitiv von Selbstbewusstsein. CARCASS sind mit ihrem einzigartigen Sound und dem Gesamtkonzept eine eigene Kategorie, die ein renommiertes Festival wie das PARTY SAN klar dominieren kann und jederzeit einen Führungsanspruch innerhalb der "Extrem Metal"- Szene formuliert bekommt. Standing, Sound und auch Bekanntheit des "Heartwork"- Materials v.a  würden mich  zu der Einschätzung "durchaus sportlich gewählter Support-Act" verleiten. 

Eine Einschätzung, die auf EXODUS, die direkt nach NAILS starten, sicher nicht zutrifft. EXODUS geben die Budy-Band mit dem krassen Typen, der mal zehn Jahre bei SLAYER spielte, weil JEFF HANNEMAN in der Hölle erwartet wurde. Sorry für den ganz schlechten "ich locker die Schülerzeitung auf" - Dinger, aber mir war grad einfach danach. 

Dazu spielen sie mit "Bonded by blood" und "Strike of the Beast" Grals- Thrash vom heiligen "Bonded by Blood", der für viele Thrasher wahre Prophet, der leider vom Timing viel zu spät mit seinem Debutalbum dran war damals. 85, da warn METALLICA ja schon fast in der Vorproduktion zu "Load" ...

 Und dann kommen EXODUS und veröffentlichen das quasi erste Thrash-Album zwei Jahre zu spät. Stories, die nur der Metal schreiben kann. Nach vielen nicht so prall wahrgenommenen EXODUS-Gigs in der jüngeren Vergangenheit, ist mein Eindruck heute absolut positiv. Es stimmt die Ausgewogenheit aus Thrash-Vibe und professioneller Bühnenshow, die es bei dieser Hallengröße nun mal braucht. ROB DUKES, der zurückgekehrte "Hardcore-Typ mit Bart" wird sicherlich kein Stipendium an der DEE SNIDER- Entertainer-Academy bekommen, ist aber sichtlich bemüht über sein ruppiges Naturell zu springen und initiiert sogar lustige Mitsingspielchen. Mit dem Gitarrengenie LEE ALTUS und dem Thrash-Haudegen GARY HOLT wird die Thrash Metal-Bedürfnis-Pyramide auf allen Ebenen ausgeleuchtet. Lediglich mein Verpeiltsein ärgert mich in diesem Moment wieder, hab ich es einfach noch nicht geschafft, mich mit dem aktuellen EXODUS-Werk zu beschäftigen. Das muss dringend nachgeholt werden. Besonders das doomige, gedrosselte Teil, das mich bissi an die "Doom-Glanztaten" von OVERKILL erinnert, catched mich ab. 

 

Was nun folgt, ist auf allen Ebenen ein Hochamt des Heavy Metal: das Intro besteht aus zwei Teilen: mit dem IRON MAIDEN- Classic "Run to the Hills" kriegst selbst den reservierten  Konzertbesucher zu einer Reaktion. Das "Long way to the top"- Prinzip (bei METALLICA und TWISTED SISTER). Mit dem Barry Mc Guire Classic von 65 "Eve of Destruction" hat der Bühnen-Dramaturg eine komplett zu den Zeitverhältnissen passende Nummer eingesetzt, wenn auch das dazu eingespielte Video Geschmackssache bleibt. 

KREATOR haben sich eine Show geschaffen, die schon alleine optisch jedem Metal-Bedürfnis gerecht wird: rot und schwarz dominieren, der Einsatz von Feuer ist geradezu inflationär und ein kultisches Verständnis von Dämonenbeschwörung und schwarzer Magie werden naiv, aber extrem wirkungsvoll inszeniert. Ich liebe KREATORS Einfachheit : "Satan is real", "Hate über Alles", "Phantom Antichrist": einer uncoolen Band würde man Bullshitbingo und plakatives Kalkül unterstellen. MILLE ist zumindest für mich über jeden Zweifel erhaben, was diesen Vorwurf anbelangt: in jüngeren Jahren hatte er zwischen "Renewal" und "Endorama" die Weltöffentlichkeit an seiner spirituellen und musikalischen Selbstfindung teilnehmen lassen, die von mir immer als authentisches Ringen mit der "Wahrheit" empfunden worden sind. Als er erkannt hat, dass er alles im Baukasten hat, um auch kommerziell erfolgreich zu sein, kam der Pragmatiker durch, der aus all seinen Kompetenzen seine eigene Festival Headliner-Show erschaffen hat. IRON MAIDEN und MANOWAR für darkere und finstere Gesellen und Gesellinnen. Was aber ein Qualitätsmerkmal ist. Hallo!

Mit Respekt wird der wilden Jugend gedacht: "Betrayer", "People of the lie", "Endless Pain" und natürlich auch "Pleasure to Kill". Apropos Jugend: eine extreme Ansammlung wirklich junger Menschen sticht ins Auge. Extrem coole Jungs und Mädels unter zwanzig oder knapp darüber mit Emo-, Punk- oder Alternativ- Touch. Das passt zum Eindruck, dass der KREATOR-Spirit mit seinem extrem plakativ dargebrachten Super-Metal, dem healthy Lifestyle von MILLE und  der ganzen Attitude die Szene vor der Überalterung schützen können. 

Natürlich wird dieser Eindruck vom Gastfeature von BRITTA GÖRTZ bei "Tränenpalast" untermauert. Die Bühnenpräsenz, das Acting und die Stimme der HIRAES - Frontfrau sind mit gewaltig milde beschrieben und lassen das begeisterte Ludwigsburger Publikum an der Power dieser Ausnahme-Künstlerin teilhaben. 

Ein Abend, der den Schmerz und die Frustration, die die Welt bieten kann, definitiv geKRUSHED hat. KRUSHERS OF THE WORLD halt.