Run for your lives, Hannover

Veröffentlicht am 3. Juni 2026 um 10:18

Teil zwei für mich. Als ich in Stuttgart vor gut einem Jahr phasenweise von der ultimativen Setlist redete, musste ich hier einfach nochmal am Start sein.

Ultra ist ein Begriff, der mir nicht nur aufgrund der allgegenwärtigen H 96 - Fankultur im Stadion ins Hirn schiesst....

Der folgende Textabschnitt soll nun gar keine übertrieben- distanzierte Hipster-Perspektive eröffnen, vielmehr Bewunderung zum Ausdruck bringen. Bewunderung für den Typus IRON MAIDEN- Fan, der sich optisch komplett auf die Zeit- und Hauptwikungsmatrix seiner Helden eingestellt hat und dem zumindest beim Aufgang beim Konzert kein anderer Ansatz von Bedeutung ist. Ich beäuge beim Warten auf MEGADETH ehrfürchtig eine Kutte, die nur aus MAIDEN- Patches besteht. Die Vokuhilafrisur und der schwäbische Slang lassen ihn wie eine perfekt entworfene Figur wirken. Wenig verwundert bin ich, als er eine halbe Stunde später von einem Konzert-Fotografen-Team entdeckt ist. Die Ausstrahlung und Echtheit von ihm sind extrem wirkmächtig.Es ist dieser Ultra-Gedanken, den ich so nie auf den Punkt kultiviert bekam. Bei anderen aber bewundere.

In MEGADETH liegt der gravierende Unterschied zum Stuttgarter Konzert: mit Avatar war dort ein Support-Act zugegen gewesen, der mit "ganz nett" weit weg ist von der Anforderung an einen echten MAIDEN-Support. Mit MEGADETH hat man einen mehr als würdigen Act geholt und sich damit extrem fanfreundlich gezeigt. Ein Best of- Set in kompakter Form, dazu ein wenig Promotion für das aktuelle Album- so geht Stadionkonzert. In punkto Sound, Performance, Können und Präsenz ein sofort wirkender Torpedo: wer "Tornado of Souls", "Hangar 18" und das grandiose " Peace sells.." stoisch- bewegungslos über sich ergehen lassen kann, hat den Metal nie geliebt. Dem Großteil geht es jedoch wie mir: Hüfte, Knie und Nacken, das Metal-Workout-Gegenstück zu Bauch-Beine-Po, kommen schnell auf Hochbetrieb. Mit fettem Grinsen lauschen wir dann "Ride the lightning", was einfach nur ein unfassbar grandioser Song ist und das Liveprogramm von Dave natürlich mit einem weiteren Highlight ausstattet. Bei "Symphonie of Destruction" ist die Stimmung am Siedepunkt. Das Stadion tanzt die Sinfonie der Zerstörung. Was für ein Abriss. 

Ein IRON MAIDEN- Programm mit den größten Nummern der Bandgeschichte in einem Programm...

Hallo, wir hören: "Powerslave", "Rime of the ancient mariner" UND "7 th son". Da wird dann "Hallowed be thy name", den es natürlich auch gibt, fast zur Nebensache.

Bei einer derart perfekten Show gibt es wenig, was nicht irgendwo von irgend wem schon gedacht und geschrieben wurde. 

Ich will hier deshalb ein ganz klitzekleines Gedankenspielchen wagen: wie hätte ich die Setlist noch optimiert bzw in meinem egoistischen Sinne verändert?

Maßgabe natürlich: kein Song mehr, kein Song weniger. Selbstverständlich. 

Und bitte kein Hate. Es ist Gedankenspielerei und Spass. Bitte!!!

Interessant hätte ich einen zweiten Song von "Fear of the Dark" gefunden. In den roughen, "in your Face"- Teil des Di Anno - Opening 4ers "Be quick or be dead"  als definitiver Showopener. Hätte ich cool gefunden. "Murders in the rue Morgue" hätte entsprechend raus gekonnt. Schwierig, da Post vom DI ANNO Sonderbeauftragten sicherlich gekommen wäre. Dann wär mit "Wrathchild" und "Killers" noch ein richtig knalliger Phase bis 81 -Part gefolgt, während "Phantom of the Opera" durch "Evil that men do" ersetzt worden wäre. Oder noch verspickter: "No prayer for the dying" hätte berücksichtigt werden müssen. "Bring your daughter", da auch  Shirtmotiv gewesen und auch bissi witzig. :). 

Aber, das sind nur Gedankenspiele eines Luxusverwöhnten. Mit "Infinite Dreams" wurde einer meiner absoluten Favoriten vom "7 th son"- Album gespielt (statt "The Clairyovant"), was die einzige Vetänderung zu Stuttgart darstellte.  Vom "magisch-okkultesten" Maiden-Album darf es immer gern mehr sein. 

MAIDEN bringen Oper, Literatur und viel Magie zum Metal-Publikum. Was bei der Inszenierung von "Powerslave" allein an Ritual und Initiation durch Hohepriester BRUCE DICKINSON gezeigt wird, sollte jede Seele sicher durch den Abyss in die Stadt der Pyramiden bringen. Als expliziter Kenner des Werkes von Aleister Crowley, dem britischen Magic Influencer, bringt er hier Teile dessen im Golden Dawn geklauten Initiationsritual. Behaupt ich. Aber hey, ich chill normal eher bei Bundesligakonferenzen, als im Golden Dawn, es kann auch Quatsch sein. Allerdings hätte ich schonmal Bock, das Thema "Dickinson und seine Bezüge zum Okkultismus" fundiert zu recherchieren.Projektordner ist schonmal angelegt.

Heroisch mutet mir dieses mal besonder "Aces High" an. Normal bin ich der Epic-Okkult-Maiden-Typ und weniger der Militär-Typ. Der Spirit des Songs erreicht heute einen besonders konkreten Nerv: Churchill lässt die Engines gegen die Nazis anwerfen und den heroenhaften Kampf gegen Hitler-Deutschland führen. Als Kinder der Nachkriegszeit werden wir hier an den glorreichen Sieg über den Faschismus nicht nur erinnert, sondern geradezu mitgenommen. 

Was MAIDEN generell für Geschichtsbewusstsein und damit auch die europäische Idee und den Antifaschismus getan haben, wird mir heute komplett bewusst. Mit "Aces High" gibt es die Hymne gegen die wieder empor kriechende braune Brut. Lasst uns die Engines starten, bevor es zu spät ist.

Der Rest des Best of -Programmes ist ein purer Triumphzug, egal welcher Ansatz, welche Phase. Du gehst in der DIANNO Rue Morgue-Zeit auf, brüllst die Sozialpädagogen-Hymne "Wrathchild" mit, feierst ihre ganz großen Hits wie "Number of the Beast" und das oft auch ambivalent wahrgenommene "Fear of the Dark" . Dann stellst bei "Wasted Years" wieder eindrucksvoll fest, dass als MAIDEN- Fan immer in den Golden Years lebst.

 

 

 


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