Die "guten, alten Zeiten" sind ein Mythos. Ein Teil von uns scheint immer nach einer besseren Version der Vergangenheit zu streben. Gerade im Metal-Hirn findet dieser Kunstgriff sehr gerne statt. Aber Hand aufs Herz: bei SIX FEET UNDER ist was dran, dass sie definitiv bessere Zeiten gesehen haben. Von der Kritik wurden nahezu alle ihren letzten Alben dem Erdboden gleichgemacht. Das ganze Unterfangen wird von meinungsstarken Internet-Bubbles bis Fachmagazinen als kläglicher Versuch bewertet, nichts "ordentliches" arbeiten zu müssen.Wenn man bedenkt, dass um die Jahrtausend-Wende die "coole Death Metal-Combo" zum Siegeszug durch Plattenreviews und zu Begeisterungsstürmen auf grossen Festivalbühnen angetreten ist, wirkt das Tourplakat mit Legende Chris Barnes und Ex- DEICIDE/CORPSE- Mitstreiter Jack Owens schon fast ein wenig niedlich. Als wolle es sagen: "schaut her, hier kommen zwei bekannte Gesichter in eure Stadt. Wär nett, wenn ihr vorbeischaut".
Memmingen gibt sich interessiert und sorgt dann für ein ordentlich gefülltes Kaminwerk.
EMBRONIC AUTOPSY klingt ein wenig nach DEATH METAL-Namensgenerator. Als Support von SFU machen sie ihre Sache solide, benutzen auch vorwiegend Death- und Grindstandards ohne erkennbare Dynamik und Mitreißfaktor. Handwerklich gut und solide zelebriert, aber der Funke, der Handwerk zur Kunst machen kann, fehlt vollständig. Ein sowieso nicht allzu kreativer Sound, dem es an Dynamik fehlt, ist somit nur für Nischenfreaks, die aus einem derartigen Bereich alles konsumieren, von Interesse. Den Weg aus dem Stillstand hat sich EMBRONIC AUTOPSY selber gezeichnet: wenn die Herren in doomigere Gefilde preschen, zu erkennen geben, dass BEHEMOTH und LOST SOULS nicht nur Schlagergrütze ist, bekommen sie eine Tiefe an welcher man arbeiten kann. Hier hatten sie auf alle Fälle mein Herz.
Das SIX FEET UNDER im Sturm nahmen: "War is coming", dieser epochale Groove Metal-Batzen ist einfach eine Bank. Wippen, Headbangen, Mitgröhlen- SFU haben damit das Tor in die glorreichen Neunziger- zack- geöffnet, als sie Death Metal aus dem nerdigen Jugendzimmer Friedhof auf die sexy Sommerbühnen der Welt geholt hatten, ohne Zombies, Werwölfen und Splatterkindereien den Laufpass gegeben zu haben. Cool grooven und splattern, das konnten nur SFU. Mit fast Hip Hop-artiger Smoothness arbeitet man sich durch die Sternstunden der Glanztage: "Human Target", "Victim of the Paranoid", "Feasting the Blood of the Insane".... Dass die Herren vom Plakat dann noch den ehemaligen Arbeitgeber mit "Hammer smashed Face" ehren, rundet einen krass kurzweiligen und simpel- genialen Abend ab. Ich ging jedenfalls verschwitzt nach draußen. Und das ist immer ein gutes Zeichen...
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